Viele Bewerberinnen und Bewerber unterschätzen die Wirkung der Schrift im Lebenslauf. Dabei ist sie ein zentraler Bestandteil der Gesamtwirkung – noch bevor Inhalte bewusst gelesen werden.
Die Schrift entscheidet mit darüber, ob ein Lebenslauf als ruhig, professionell und gut strukturiert wahrgenommen wird – oder als anstrengend, unruhig oder beliebig. Dieser erste Eindruck entsteht nicht bewusst, sondern intuitiv: Personalverantwortliche erfassen zunächst den Gesamteindruck und ordnen ihn unwillkürlich als stimmig oder unstimmig ein.
Warum ist die Schrift im Lebenslauf relevant ist?
Personalverantwortliche lesen täglich eine große Anzahl an Bewerbungen. Entsprechend wichtig ist eine Gestaltung, die Lesbarkeit unterstützt und nicht zusätzliche Aufmerksamkeit bindet.
Eine ungünstige Schriftart, eine zu kleine Schriftgröße oder ein unruhiges Schriftbild erschweren das Lesen – oft unbewusst. Das führt nicht zu einer bewussten Ablehnung, kann aber dazu beitragen, dass ein Lebenslauf schneller überflogen oder weniger sorgfältig gelesen wird.
Wenn Zeit knapp ist, wird nicht alles gelesen. Und genau dann entscheidet Lesbarkeit darüber, ob ein Lebenslauf sorgfältig geprüft oder nur überflogen wird.
Gleichzeitig müssen Lebensläufe heute zunehmend auch für automatisierte Systeme gut lesbar sein – gute Typografie steht daher nicht im Widerspruch zur technischen Auslesbarkeit, sondern ist deren Voraussetzung.
Mehr zur KI-gestützten Bewerberauswahl und zum Zusammenspiel mit Ihren Bewerbungsunterlagen lesen Sie im Beitrag KI-gestützte Bewerberauswahl: So meistern Sie den modernen Auswahlprozess! erfahren.
Auch wenn Bewerbungen heute häufig zuerst von Systemen analysiert werden, bleibt die Wirkung auf menschliche Leserinnen und Leser entscheidend. Wie sich Künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess konkret auswirkt, lesen Sie im Beitrag KI im Bewerbungsprozess – was Sie jetzt wissen müssen.
Versetzen Sie sich in die Rolle des Lesers!
Vergleichen Sie es mit dem Lesen eines Buches oder längerer Texte: Ist die Schrift angenehm, bleibt man länger dran. Ist sie anstrengend oder unruhig, sinkt die Leselust – unabhängig vom Inhalt.
Dasselbe gilt für den Lebenslauf. Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand beeinflussen, wie leicht Informationen aufgenommen werden können.
Dabei sollte nicht nur der Fließtext betrachtet werden. Prüfen Sie auch:
- Wie wirkt die Schrift fett oder kursiv?
- Ist sie als Überschrift gut lesbar?
- Bleibt das Gesamtbild ruhig und klar?
Geeignete Schriftarten für den Lebenslauf
Grundsätzlich gilt: Lesbarkeit geht vor Originalität. Ein Lebenslauf soll nicht überraschen, sondern reibungslos lesbar sein. Auffallen um jeden Preis ist hier kein Vorteil.
Viele Lebensläufe werden schnell gesichtet. Eine klare, gut lesbare Schrift erleichtert es, relevante Informationen rasch zu erfassen.
Gängige Standardschriften wie Times New Roman oder Arial sind zwar funktional, wirken heute jedoch oft austauschbar. Alternativen wie Calibri, Cambria oder Gill Sans können moderner und ruhiger wirken – vorausgesetzt, sie werden konsistent eingesetzt.
Damit ist nicht nur gemeint, innerhalb eines Dokuments bei einer Schrift zu bleiben. In der Praxis zeigt sich häufiger ein anderer Bruch: Lebenslauf und Motivationsschreiben werden in unterschiedlichen Schriftarten gestaltet. Auch das wirkt inkonsistent, selbst wenn jedes Dokument für sich formal korrekt ist. In deutlich schlampigen Fällen finden sich sogar mehrere Schriftarten innerhalb eines einzelnen Dokuments – das fällt jedoch sofort negativ auf und führt mit großer Wahrscheinlichkeit zum frühzeitgen Aussortieren.
Entscheidend ist weniger der Name der Schrift als ihre Wirkung:
- gut lesbar am Bildschirm
- ausreichend große Laufweite
- klare Unterscheidbarkeit von Buchstaben und Zahlen
Serifenlose Schriften wirken dabei in vielen Branchen sachlicher und zeitgemäßer. In kreativen Berufen kann die Auswahl variieren – dort darf Gestaltung stärker Teil der Aussage sein.
Schrift im Lebenslauf und Internationalität
Wer sich international bewirbt oder bei Konzernen mit mehrsprachigen Auswahlprozessen, sollte die Wirkung von Schrift nicht nur national denken. Manche Schriftarten gelten im deutschsprachigen Raum als sachlich und etabliert, wirken international jedoch schnell altmodisch oder technisch überholt.
Ziel ist daher keine individuelle Note, sondern eine unauffällige Professionalität, die auch über Länder- und Kulturgrenzen hinweg vertraut wirkt. In internationalen Kontexten empfiehlt es sich, auf Schriftarten zurückzugreifen, die in vielen Ländern und Systemen etabliert sind. Solche neutralen Standardschriften wirken weder regional geprägt noch erklärungsbedürftig – und erfüllen damit genau das Ziel unauffälliger Professionalität.
Schrift ist nicht Layout
Schriftart und Layout werden häufig gleichgesetzt, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen. Eine gut gewählte Schrift kann ein unruhiges Layout nicht ausgleichen – umgekehrt verschlechtert ein ungünstiges Schriftbild selbst ein klar strukturiertes Layout. Beides greift ineinander, ist aber nicht dasselbe.
Praxistipp zur Lesbarkeit
Denken Sie daran, dass Lebensläufe häufig am Bildschirm gelesen werden – auch von Personen mit eingeschränkter Sehleistung.
Ein einfacher Test: Lassen Sie Ihren Lebenslauf von jemandem lesen, der eine Brille trägt oder etwas älter ist. Wenn der Text mühelos erfasst werden kann, ist die Schriftwahl in der Regel gut getroffen.
Auch Aspekte wie ausreichender Kontrast, angenehme Zeilenlänge und ermüdungsfreies Lesen spielen dabei eine Rolle – nicht als Sonderfall, sondern als Teil professioneller Gestaltung.
Dos & Don’ts bei der Schrift im Lebenslauf
Dos
- Verwenden Sie eine gut lesbare Schriftart und bleiben Sie konsequent dabei.
- Achten Sie auf eine ausreichende Schriftgröße (meist 10,5–12 pt für Fließtext).
- Sorgen Sie für klare Abstände zwischen Abschnitten, damit der Lebenslauf ruhig wirkt.
- Prüfen Sie die Schrift am Bildschirm, nicht nur im Ausdruck.
Don’ts
- Verwenden Sie keine dekorativen oder verspielten Schriften.
- Kombinieren Sie nicht mehrere Schriftarten innerhalb des Lebenslaufs.
- Setzen Sie Fett- und Kursivschrift sparsam ein.
- Verlassen Sie sich nicht auf Geschmack allein – Lesbarkeit ist entscheidend.
Häufige Fragen zur Schrift im Lebenslauf (FAQs)
Welche Schriftgröße ist im Lebenslauf ideal?
In der Regel liegt eine gut lesbare Schriftgröße zwischen 10,5 und 12 Punkt. Entscheidend ist, dass der Text am Bildschirm mühelos erfasst werden kann – auch bei längerer Betrachtung.
Sind serifenlose Schriften immer besser?
In vielen Branchen ja, weil sie am Bildschirm ruhiger wirken. Entscheidend ist jedoch nicht die Kategorie der Schrift, sondern ihre Lesbarkeit und Wirkung im Gesamtbild.
Darf ich im Lebenslauf mehrere Schriftarten verwenden?
Davon ist abzuraten. Eine einheitliche Schrift sorgt für Klarheit und Professionalität. Unterschiedliche Hervorhebungen lassen sich besser über Fett- oder Kursivsetzung lösen.
Ist eine ausgefallene Schrift ein Vorteil?
Nur in Ausnahmefällen, etwa in klar kreativen Berufen. In den meisten Fällen wirkt Zurückhaltung professioneller als Originalität um jeden Preis.
Spielt die Schriftart im Lebenslauf wirklich eine Rolle?
Ja – allerdings nicht isoliert. Sie wirkt immer im Zusammenspiel mit Struktur, Inhalt und Gesamterscheinung.
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Weiterführende Themen
Die Wahl der richtigen Schrift ist nur ein Teil eines professionellen Bewerbungsauftritts.
In den folgenden Beiträgen finden Sie vertiefende Einordnungen zu angrenzenden Fragen – von der Rolle Künstlicher Intelligenz im Auswahlprozess über die Wirkung von Bewerbungsunterlagen bis hin zu inhaltlicher Klarheit und Struktur.
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