Arbeitswelt 4.0Führung

Vor- und Nachteile vom Home Office aus Arbeitnehmersicht

Seit dem Lock Down im März 2020 hat Home Office bei vielen Arbeitenehmern auch in Österreich sehr an Bedeutung und Beliebtheit gewonnen. Neben vielen Vorteilen bringt der neue Arbeitsstil aber auch Nachteile mit sich.

Keine langen Arbeitswege mehr

Besonders dann, wenn Arbeitnehmer aus anderen Bundesländern pendeln oder vom einen Ende Wiens zum anderen müssen – im Home Office zu arbeiten, erspart Staus und Stress auf den Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese gewonnene Zeit kann zum ausgedehnten Frühstück genutzt oder die Arbeit früher begonnen werden. In jedem Fall bleibt dem Arbeitnehmer mehr Freizeit.

Kostenersparnis

In Fällen, wo der Arbeitnehmer für den Arbeitsweg auf das Auto angewiesen ist, erspart er sich darüber hinaus Geld, das andernfalls die Tankfüllung verschlingt. Eventuell spart man auch die Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel.

Höhere Produktivität

Wie eine Studie der University of Stanford aus 2015 (https://nbloom.people.stanford.edu/sites/g/files/sbiybj4746/f/wfh.pdf) gezeigt hat, sind Arbeitnehmer, die im Home Office arbeiten, durchschnittlich um 13 Prozent effektiver, was an erhöhter Konzentration liegt. Arbeiternehmer werden nicht durch den Geräuschpegel oder Fragen der Kollegen abgelenkt und machen weniger Pausen.

Flexibilität für private Erledigungen

Steht die Thermenwartung an, muss der Reisepass verlängert werden, kündigt der Rauchfangkehrer in den Vormittagsstunden seinen Besuch an oder erwartet man ein dringendes Paket, eröffnet das Home Office neue Möglichkeiten. Private Erledigungen können ohne Zeitausgleich oder Urlaub nehmen zu müssen, während der Arbeitszeit erledigt werden.

Während der Mittagspause kann man sich obendrein mit Freunden zum Tennis spielen verabreden oder ein Nickerchen in der Sonne abhalten. Es schmälert die eigene Produktivität nicht. Im Gegenteil, der höhere Erholungswert wird sie sogar noch steigern.

Selbsmanagement liegt nicht jedem. Es gibt Menschen, die die Führung und Kontrolle durch eine Führungskraft brauchen und nur dann gute Arbeit leisten können.

Wo Licht ist, ist allerdings auch Schatten

Home Office bringt allerdings auch einige Nachteile mit sich.

Zeitmanagement und Selbstdispziplin

Der Wegfall von fixem Arbeitsplatz, fixer Arbeitszeit und Kontrolle durch Führungskräfte führt dazu, dass Mitarbeiter stärker gefordert sind, sich selbst zu managen. Es erfordert eigene Disziplin. Private und berufliche Zeiten verschwimmen. Insbesondere dann, wenn während der Arbeitszeit private Dinge erledigt werden und das fehlende Arbeitspensum in der Freizeit nachgeholt werden muss.

Fehlende oder längere Kommunikationswege

Dass man nicht mehr in der Kaffeeküche zusammen sitzt oder mal eben schnell zum Kollegen ins Zimmer kann führt zu längeren Kommunikationswegen. Gerade der informelle Austausch fällt gänzlich weg. Man erfährt nichts mehr von Gerüchten, bekommt keine Informationen aus anderen Bereiche und tauscht sich insgesamt weniger bis gar nicht privat mit Kollegen aus. Dies beeinflusst auf lange Sicht die Unternehmenskultur.

Auch der Informationsfluss zu fachlichen Belangen wird erschwert. Während man Details, die die eigene Arbeit beeinflussenn oft durch Gespräche oder Meetings erfuhr, muss man sich im Home Office auf die Weitergabe wichtiger Informationen verlassen. Oder man muss selbst dafür sorgen, dass man sie bekommt. Oft handelt es sich aber um Informationen zu Kunden oder Produkten, bei denen der Kollege gar nicht weiß, dass die Informationen auch für einen selbst wichtig wären. Diese gehen letztlich durch das Home Office gänzlich verloren.

Fehlender Kontakt zur Führungskraft

Aus eigener Erfahrung kann ich erzählen, dass ich viele Jahre damit konfrontiert war, dass sich Teilzeitkräfte immer benachteiligt fühlten. Sie befürchteten, dass während ihrer Abwesenheit Informationen ausgetauscht worden wären, die auch für sie wichtig gewesen wären. Bestimmt kennen die meisten Führungskräfte dieses Phänomen. Ganz egal, wie sehr man auf Abwesende Rücksicht nimmt, temporär Abwesende fühlen sich immer benachteiligt. Selbst wenn man für ihre nachträgliche Informierung sorgt.

Dieses Phänomen wird sich durch das Home Office auf die ganze Belegschaft ausweiten, wenn nicht alle zur gleichen Zeiten zu Hause arbeiten. Je stärker Home Office Tage gestaffelt werden, desto stärker wird sich das Gefühl werden, wichtige Informationen nicht erhalten zu haben. Dieses Gefühl wird sich im ganzen Unternehmen breit machen.

Führungskräfte sind daher besonders gefordert, an all jene zu denken, die nicht ständig Kontakt zu ihnen haben, um sie weder bezüglich der Informationen noch hinsichtlich der Karriere zu benachteiligen.

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