Der Einstieg in ein Motivationsschreiben bereitet vielen Bewerberinnen und Bewerbern Schwierigkeiten.
“Wie fang ich an?”, “Was wollen die hören?”, “Wozu brauche ich überhaupt ein Motivationsschreiben, im Lebenslauf steht doch eh schon alles?” Diese Fragen, werden mir regelmäßig gestellt.
Damit Sie Ihr Motivationsschreiben erfolgreich gestalten können, erläutere ich zunächst kurz dessen Zweck – und anschließend, warum gerade der erste Satz darüber entscheidet, ob Ihr Schreiben gelesen wird oder nicht.
Ein guter Einstieg allein reicht natürlich nicht. Entscheidend ist, wie das gesamte Motivationsschreiben aufgebaut ist:
Motivationsschreiben – Aufbau, Inhalt und worauf es wirklich ankommt.
Was der erste Satz im Motivationsschreiben können muss
Was animiert Sie ein Buch zu lesen? Ich nehme an, es sind die ersten Sätze, die neugierig auf mehr machen, oder? Wenn man in ein Buch hineinliest, dann überfliegt man die Sätze auf der ersten Seite und entscheidet sehr rasch, ob man das Buch kaufen wird.
Ähnlich ergeht es Personalistinnen und Personalisten, wenn Sie den ersten Satz im Motivationsschreiben lesen. Ihre Unterlagen dienen nämlich allein dazu zu entscheiden, ob der Zeitaufwand eines Interviews gerechtfertigt ist.
Da das Motivationsschreiben sehr kurz ist, müssen Sie bereits mit dem ersten Satz Spannung erzeugen. Langweilige Einstiege führen dazu, dass das Interesse verloren geht.
Der erste Satz legt fest, was die Leserin oder der Leser erwarten darf. Er muss:
- Interesse wecken,
- auf das Bewerbungsmotiv lenken,
- und klar in Richtung Jobinhalt führen.
Sie sollten dabei keine Zeit – und auch keinen Platz – vergeuden und schon im ersten Satz auf die Motive für Ihre Bewerbung lenken und sehr rasch einen Bezug zu begehrten Position herstellen.
Und seien Sie gewiss, dass Sie Personalisten mit langweiligen Füllsätzen nicht sonderlich erfreuen, sondern die Gefahr besteht, dass sie Ihre Bewerbungsunterlagen sofort ausscheiden. Vor allem dann, wenn er das Motivationsschreiben noch vor dem Lebenslauf liest. Und solche Personalisten gibt es tatsächlich!
Was im ersten Satz des Motivationsschreibens NICHT stehen sollte!
Zu meinem persönlichen Entsetzen musste ich feststellen, dass in Lehrbüchern des 21. Jhdt. ernsthaft empfohlen wird, mit der Floskel
“Hiermit bewerbe ich mich auf die in xy ausgeschriebenen Stelle”
zu beginnen.
Bitte tun sie das nicht! Und seien Sie nicht überrascht: Sogar viele KI-Tools beginnen inzwischen mit genau solchen Standardsätzen – schlicht deshalb, weil sie auf die verbreiteten (aber veralteten) Empfehlungen in Lehrbüchern trainiert sind.
Im Zeitalter von „War for talents“ suchen Personalistinnen und Personalisten das Besondere. Im „War for Talents“ suchen Personalistinnen und Personalisten Menschen, die eigenständig denken, engagiert sind und individuelle Stärken mitbringen. Standardsätze vermitteln das Gegenteil.
Selbstverständlichkeiten – wie wo Sie das Inserat gefunden haben – sind überflüssig. Diese Information interessiert das Marketing, aber nicht die Recruiting-Abteilung. Sie vergeuden wertvollen Platz und langweilen Ihre Leserin oder Ihren Leser.
Die Chance, dass Ihre Bewerbung damit bereits im ersten Satz scheitert, ist groß – besonders, wenn die Konkurrenz hoch ist.
Sind Sie unsicher, wie Sie ein Motivationsschreiben verfassen sollen?
Im Bewerbungscoaching klären wir, was in Ihrem Fall wirklich zählt: Welche Erwartungen Sie erfüllen müssen, was heute noch zeitgemäß ist – und wie Sie überzeugend auftreten, ohne sich zu verbiegen. Auf Wunsch erstelle ich auch das Motivationsschreibe für Sie.
Beispiele für den ersten Satz im Motivationsschreiben
1. Bezug auf ein geführtes Telefonat als guten ersten Satz im Motivationsschreiben
Im Idealfall können Sie sich in der ersten Zeile auf ein geführtes Telefonat oder auf ein Gespräch beziehen.
„Vielen Dank für das informative Gespräch, das wir am [Datum] führen konnten.
Wie besprochen, gilt mein Interesse, mich für die ausgeschriebene Stelle zu bewerben ganz besonders dem [Thema],
weil ich mich bereits in meiner beruflichen Vergangenheit in einer Vielzahl von Projekten damit beschäftigt habe.“
oder
„Im Gespräch mit Frau [Name] am [Datum] konnte ich zusätzlich in Erfahrung bringen,
dass Sie besonders an Bewerbern interessiert sind,
die Erfahrung mit [Thema] mitbringen. In einer Vielzahl von erfolgreichen Projekten konnte ich dazu bereits
in meiner beruflichen Vergangenheit mein Know How einbringen.“
oder
„Im Gespräch mit Herrn [Name] am [Datum] konnte
ich einen tieferen Einblick in die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle gewinnen,
was mein Interesse daran nur noch mehr geweckt hat, weil ich ganz besonders an [Thema] interessiert bin.“
2. Eine Geschichte als spannender Einstieg in das Motivationsschreiben
Wenn es keinen Bezug zu einem Telefonat gibt, sollten Sie versuchen, durch einen “knackigen” Einstieg das Interesse des Lesers zu wecken.
„Als Kind verbrachte ich die Ferien immer bei meinem Opa. Er betrieb ein Elektrogeschäft in dem ich helfen durfte.
Am spannendsten dabei war, wenn wir auf den Dächern Wiens herumgeklettert sind, wo mein Opa Satellitenanlagen installierte.
Ich schätze, in dieser Zeit wurde mein Interesse für Elektrotechnik geweckt und hat mich nie wieder los gelassen!“
oder
„Dem kaufmännischen Talent „DKT“ (oder aktueller „Monopoly“), das meine Eltern
dankenswerter Weise und unerlässlich mit mir spielten, ist wohl zu verdanken,
dass ich voll Leidenschaft eine Lehre im Bankwesen absolviert habe,
denn immer schon fand ich spannend, Geld zu verwalten, einzunehmen und zu verleihen,
und damit war mein beruflicher Weg früh vorgezeichnet!“
Wollen Sie auch gerade wissen, wie die Geschichten weitergehen?
Dann ist bewiesen, dass Sätze wie diese, die Neugier des Lesers wecken und Lust machen, weiterzulesen. Genau das ist der Zweck eines gelungenen Einstiegssatzes.
Ich empfehle Ihnen, bereits im ersten Satz einen Bezug zum Jobinhalt herzustellen und darzulegen, was genau Ihr Interesse für den Job geweckt hat!
3. Slogans für den Einstiegssatz nutzen
In manchen Fällen sind auch Slogans, die das Unternehmen verwendet, gut geeignet, um einen Konnex herzustellen.
Das wohl berühmteste Beispiel dazu ist “just do it“.
Sollten Sie sich also zufällig bei Nike bewerben, so könnte Ihr Einstiegssatz lauten
“I’ll show you what crazy dreams can do!”
Damit schlagen Sie mehrere Fliegen mit einer Klappe.
Der Slogan ist eine Abwandlung der Ziele von Nike. Damit zeigen Sie bereits im Motivationsschreiben, dass Sie sich mit der Website auseinander gesetzt, die Werte des Unternehmens herausgefunden und verstanden haben und, dass Sie sich mit ihnen identifizieren können.
Sie zeigen damit schon im ersten Satz, dass Sie die Botschaft verstanden haben und zum Unternehmen passen, weil auch Sie „verrückte Ideen umsetzen wollen“!
Ihr erster Satz im Motivationsschreiben sollte Emotionen wecken
Verwenden Sie in Ihrem Einstiegssatz auch unbedingt Wörter die Emotionen auslösen!
Das gelingt durch:
- Power Wörter („mit großer Leidenschaft…“, „am meisten begeistert mich …“)
- Superlative
- Bildhafte Sprache („wie ein roter Faden zieht sich …“)
- Bezüge zu eigenen Talenten
„Es macht mir am meisten Spaß“ klingt gleich noch mal viel interessanter als „es macht mir Spaß„.
„XY mache ich mit besonders großer Leidenschaft!“ klingt viel stärker als „Ich mache xy sehr gerne!“
Auch das Erzeugen von Bildern im Kopf weckt die Emotionen des Lesers.
„Wie ein roter Faden zieht sich [Thema] durch meinen Lebenslauf“,
oder
„Wie ein Dirigent ….“
oder
„Als fehlendes Puzzleteil … „
Auch die eigene Begierde wirkt auf die Leserin oder den Leser interessant.
„Ich wollte immer schon [Thema],
weil ich ein natürliches Talent für [Thema] besitze.
Daher kommt mir Ihre Stellenanzeige wie gerufen, verspricht Sie doch
den möglichen Einsatz meiner größten Stärken! „
oder
„Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen als [Thema]!
Deshalb ist ein Job der mir [Thema] bietet, genau der richtige für mich! “
„Wenn ich mich mit [Thema] beschäftigen kann, bin ich in meinem Element
und meine Kreativität scheint grenzenlos!
In Ihrem Motivationsschreiben ausgelöste Emotionen sind deshalb wichtig, weil sie dafür sorgen, dass Sie bzw. Ihr Bewerbungsschreiben der Leserin und dem Leser im Gedächtnis bleiben.
Sie knüpfen damit bereits eine Beziehung zwischen sich und den Personalisten und das verleiht Ihnen gegenüber anderen Kandidaten einen Vorsprung im Bewerbungsprozess.
Fazit
Der erste Satz im Motivationsschreiben entscheidet darüber, ob Ihr Schreiben gelesen wird.
Er sollte:
- Interesse wecken,
- Neugier erzeugen,
- Ihre Motive klar anklingen lassen,
- und Ihre Persönlichkeit erkennen lassen.
Wenn es Ihnen gelingt, bereits im Einstieg Emotionen zu wecken und Bilder entstehen zu lassen, haben Sie den wichtigsten Schritt bereits geschafft.
Weiterführende Themen
Generell wissenswertes zum Zweck, Aufbau und notwendigem Inhalt lesen Sie hier: Motivationsschreiben – Aufbau, Inhalt und worauf es wirklich ankommt.
Wenn der Einstieg gelungen ist, entscheidet der Abschluss darüber, ob ein Gespräch zustande kommt. Wie Sie den Schlusssatz formulieren, lesen Sie hier: Schlusssatz im Motivationsschreiben.
Warum Sie auch Ihr Motivationsschreiben unterschreiben sollten, erfahren Sie hier: Unterschrift im Lebenslauf und Motivationsschreiben
Häufige Fragen (FAQ)
1. Braucht man 2025 noch ein Motivationsschreiben?
Ja – besonders in qualifizierten Bereichen. Viele Bewerberinnen und Bewerber verlassen sich auf KI‑Texte. Ein persönliches, gut geschriebenes Motivationsschreiben hebt Sie daher stärker ab denn je.
2. Liest der Personalist den ersten Satz – und das Motivationsschreiben insgesamt – wirklich?
Ja. Viele Recruiting‑Profis überfliegen zuerst den Einstieg. Wenn er langweilig ist, sinkt die Chance auf eine Einladung enorm.
3. Darf ich KI für meinen ersten Satz verwenden?
Sie können – aber bitte nicht ohne Überarbeitung. KI neigt zu Standardfloskeln. Genau das wollen Personalistinnen und Personalisten NICHT lesen.
4. Welche Länge sollte der erste Satz haben?
Ein Satz – maximal zwei. Klar, präzise, motivbasiert.
5. Muss der erste Satz perfekt sein?
Ja – selbstverständlich. Perfekt bedeutet dabei aber nicht „künstlich, gekünstelt oder überladen“, sondern: Er muss zünden. Der erste Satz muss neugierig machen, klar in Richtung Job führen und den Leser sofort abholen. Genau dann ist er perfekt.



