Arbeitswelt 4.0

Vor- und Nachteile vom Home Office aus Arbeitgebersicht

zeigt einen Arbeitplatz

Für den Arbeitgeber ergeben sich viele kostenwirksame Vorteile durch das Home Office. Die Nachteile müssen aber auch berücksichtigt werden.

Produktivitätssteigerung durch verschiedene Kriterien

Höhere Konzentration im Home Office

Im Home Office – wenn wir nicht gerade einen Lock Down haben, der dazu führt, dass auch die Kinder zu Hause sind – besteht im Normalfall erhöhte Konzentration. Die Mitarbeiter weder durch Fragen anderer Kollegen noch durch den üblichen Geräuschpegel eines Großraumbüros abgelenkt.

Wegfall von Wegstrecken

Home Office führt naturgemäß zum Wegfall der Wegstrecken. Mitarbeiter kommen pünktlich, weil sie nicht im Stau stecken und beginnen Ihren Arbeitstag entspannter.

Für den Arbeitgeber entfällt die Verrechnung bzw. Berücksichtigung von Pendlerpauschalen. Hat der Mitarbeiter ein Dienstauto, fallen weniger Benzinkosten an, die vom Arbeitgeber zu tragen sind.

Weniger Pausen, Weniger Fehlzeiten

Eine Studie¹) der University of Stanford aus 2015 hat gezeigt, dass Arbeitnehmer, die im Home Office arbeiten, durchschnittlich um 13 Prozent effektiver sind als im Büro, da sie weniger Pausen machen und aufgrund sinkender Krankenstände insgesamt weniger Fehlzeiten aufweisen.

Mitarbeiterzufriedenheit – attraktiver Arbeitgeber

Home Office ist für viele BewerberInnen ein wichtiges Kriterium bei der Jobauswahl. Ein Unternehmen das Home Office anbietet, wird daher als attraktiver Arbeitgeber gesehen.

In der genannten Studie der University of Stanford¹) zeigte sich überraschender Weise auch, dass sich die Effekte der Produktivitätssteigerung sogar noch um fast 50 % erhöhten, als man die Mitarbeiter im Anschluss an die Untersuchung wählen ließ, ob sie zukünftig im Büro oder im Home Office arbeiten wollten.

Daraus lässt sich schließen, dass die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten, ein sehr starker Motor ist, sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden.

Kosteneinsparung durch Wegfall der Ausstattungskosten

Unternehmen, die dazu übergehen, Homeoffice in allen Berufsgruppen anzubieten, ersparen sich die Ausstattung einiger Arbeitsplätze. Im Bestfall können sie sogar ganze Bürokomplexe einsparen.

Die Kehrseite der Medaille stellt sich in den Nachteilen dar, die sich ergeben.

Risiko Datensicherheit und Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse

Mache Arbeitgeber verlangen von Ihren Mitarbeitern, dass sie in versperrbaren Räumen zu Hause arbeiten. Grund dafür ist die Wahrung der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse und der Datenschutz.

Wenn auch Mitarbeiter eventuell über einen versperrbaren Raum verfügen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass betriebsfremde Personen im Home Office Einblick in sensible Daten bekommen, trotzdem größer als im Büro. Ob der Ehegatte oder die Kinder tatsächlich ein erhöhtes Sicherheitsrisiko darstellen, sei dahingestellt.

Rätsel Arbeitnehmerschutz im Home Office

Gänzlich ungeklärt und interessanter Weise auch nicht groß diskutiert, scheint das Thema Arbeitnehmerschutz zu sein. Verletzt der Mitarbeiter sich im Büro können Schadenersatzansprüche gegenüber dem Arbeitgeber bestehen (was im Einzelfall zu prüfen ist). Da der Mitarbeiter nun dem Arbeitgeber die eigenen Räume zur Erledigung der Arbeiten zur Verfügung stellt, ist fraglich, inwieweit der Arbeitgeber im Schadensfall haftet.

Der Arbeitnehmerschutz sieht vor, dass Arbeitsplätze bestimmte Voraussetzungen aufweisen müssen. Diese Schutzvorschriften beziehen sich z.B. auf den Abstand zum Bildschirm, den Lichteinfall zum Bildschirm, dem Sessel und anderes mehr. All diese Schutzvorschriften sind interessanter Weise mit dem plötzlichen Lock Down (in Österreich) im März 2020 kein großes Thema mehr.

Interessant wird sicher auch die zukünftige Behandlung von Arbeitsunfällen. Die Tatsache, dass sich der Mitarbeiter eventuell während einer Pause im Garten oder der eigenen Küche verletzt, wirft die Frage auf, ob der Unfall während der Arbeitszeit oder in der privaten Freizeit passiert ist.

Ähnlich spannend wird die Frage nach Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Pausen.

Faktor Mensch

Nicht jeder Mensch eignet sich fürs Home Office. Es ist darauf Rücksicht zu nehmen, inwieweit sich der Mitarbeiter mit der Tatsache wohl fühlt, über weite Strecken von den Kollegen abgeschnitten zu sein bzw. mit diesen nur über digitale Wege zu kommunizieren. Für viele Menschen ist gerade die Tatsache, mit anderen zusammenzuarbeiten sehr wichtig. Sie brauchen ihre Kollegen und ein gutes Arbeitsklima, um produktiv zu sein.

Eine von  der Kauffman Foundation und dem Office of the Provost der Harvard University unterstützte Studie²) aus dem Jahre 2010 kommt  zum Schluss, dass Teams, die physisch und nicht nur virtuell zusammenarbeiten, bessere Ergebnisse erzielen und  besser miteinander arbeiten.

Faktor Arbeit

Nicht jede Arbeit eignet sich dazu, sie im Home Office zu erledigen.

Während Call Center Tätigkeiten bestmöglich auch von zu Hause bewerkstelligt werden können, ist die Tätigkeit der Chefsekretärin weniger geeignet, im Home Office erledigt zu werden.

Problematisch kann dies bei großen Firmen werden, wenn man eine Pauschallösung für das ganze Unternehmen ausrollen möchte. Wenn die Personalabteilung für alle Mitarbeiter die Home Office Lösung bestimmt, und erst danach einzelne Abteilungen feststellen, dass ihre Themen nicht geeignet sind, um von zu Hause erledigt zu werden, sind Enttäuschungen und Streitigkeiten vorprogrammiert.

Fazit

Um als Arbeitgeber die Entscheidung zu treffen, Mitarbeiter im Home Office arbeiten zu lassen, muss man die Eignung der Arbeit und des Mitarbeiters für Home Office als Entscheidungsgrundlage heranziehen.

Besonders gut eigenen sich Tätigkeiten, die teamunabhängig im eigenen Wirkungskreis des Mitarbeiters erledigt werden. Ich empfehle zudem, die Dienstverträge zu adaptieren. Insbesondere sollte die Eignung des Home Arbeitsplatzes hinsichtlich Ausstattung, Schutzvorschriften und Sicherheit diskutiert und die Haftung thematisiert werden.

Quellen:
1) https://nbloom.people.stanford.edu/sites/g/files/sbiybj4746/f/wfh.pdf
2) https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0014279

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