Arbeitswelt 4.0

Gehaltsangaben in Stelleninseraten

Seit M√§rz 2011 m√ľssen Stellenanzeigen Gehaltsangaben beinhalten. Viele Unternehmen orientieren sich dabei am jeweils g√ľltigen Kollektivvertrag (‚ÄúKV‚ÄĚ) und geben nur das KV Minimum an.

Oft h√∂re ich Beschwerden dar√ľber, dass diese Angaben nichts wert sind.

Sind die Gehaltsangaben in Stelleninseraten eine Errungenschaft?

Zugegeben, in vielen Inseraten ist zwar jetzt zu lesen, dass das “Unternehmen je nach Qualifikation und Erfahrung zur Überzahlung bereit ist“. Damit weiß man erst recht wieder nicht, was man tatsächlich verdienen kann.

Trotzdem hat das Gesetz meines Erachtens einen gewaltigen Vorteil zur Vergangenheit gebracht! Denn Hand aufs Herz, haben Sie schon mal in einen Kollektivvertrag rein geschaut?

Wie war das fr√ľher?

Vor März 2011 gab es weder Angaben zu Gehältern in den Stellenanzeigen noch war es leicht möglich, branchenrelevante Durchschnittsgehälter zu erfahren. Selbst den Kollektivvertrag einer anderen Branche zu erhalten war schon ein schwieriges Unterfangen, weil man kein Branchenzugehöriger war.

In der Vergangenheit konnten sich also Bewerber nur sehr schwer Informationen √ľber branchen- oder jobtypische Geh√§lter besorgen, zumal auch das Internet vor 2011 noch nicht so viel √ľber diese Themen hergab.¬†Man musste schon in die Tiefen des jeweiligen Kollektivvertrags eindringen, um dort Mindestl√∂hne herauszufinden. Absolutes Licht ins Dunkel brachten aber auch diese Recherchen selten, da man √ľber Anrechenbarkeit von Dienstjahren und die genaue strukturelle Organisation des Unternehmens Bescheid wissen musste, um eine gesicherte Aussage treffen zu k√∂nnen. Ich wage dar√ľber hinaus zu behaupten, dass nur Menschen, die sich von Berufs wegen h√§ufig mit dem Kollektivvertrag besch√§ftigen, ihn wirklich verstehen. Genaue Informationen sind n√§mlich aufgrund der L√§nge der Texte und der juristischen Sprache nur m√ľhsam zu finden und schwer zu verstehen.

Wer profitiert von den Gehaltsangaben in Stelleninseraten?

Gerade jungen Menschen ‚Äď die Berufsanf√§nger ‚Äď brauchen die Orientierung am n√∂tigsten. F√ľr sie ist aber schon das Wort ‚ÄúKollektivvertrag‚ÄĚ ein Schlagwort, das sie im Bestfall in der HAK gelernt haben. Somit bekommen sie durch die Verpflichtung zur Angabe von Geh√§ltern zumindest einen Richtwert.

√Ąhnlich verh√§lt es sich f√ľr Menschen, die Jobkategorie und vielleicht sogar Branche wechseln m√∂chten. Alleine die Recherche von einigen Inseraten bietet zumindest einen raschen √úberblick √ľber die Mindestgeh√§lter, was in der Vergangenheit in dieser Form nicht m√∂glich war.

Wie ist das jetzt?

Mit der Angabe der Mindestverdienstm√∂glichkeit bekommt man auf einen Blick Informationen dar√ľber, wie sich das untere Ende des sogenannten ‚ÄúGehaltsbandes‚ÄĚ gestaltet. Der Bewerber wei√ü daher, dass er seinen Gehaltswunsch nicht darunter ansetzen muss.

Formulierungen wie ‚Äúdeutliche √úberzahlung‚ÄĚ oder ‚Äúbranchen√ľbliche √úberzahlung‚ÄĚ sind ein Hinweis darauf, dass man seine Gehaltsvorstellung ruhig noch ein bisschen raufschrauben kann.

Besch√§ftigt man sich h√§ufig mit Stelleninseraten, dann f√§llt auf, dass viele Arbeitgeber tats√§chlich betragsm√§√üig spezifischere Angaben machen. Ein Indiz daf√ľr, dass man dort ein sehr konkretes Bild √ľber in Frage kommende BewerberInnen hat. Bei anderen Inseraten passt n√§mlich oft das kollektivvertragliche Minimum nicht mit den gew√ľnschten Jobstufen zusammen. Mit anderen Worten: Wer einen Teamleiter sucht, sollte nicht das Gehalt eines Berufsanf√§ngers angeben.

Ich empfehle jedenfalls zus√§tzlich eine Internetrecherche √ľber die jeweilige Branche und den bestimmten Job hinsichtlich der √ľblichen Geh√§lter. Die meisten Quellen beziehen sich zwar auf Deutschland und m√ľssen f√ľr √Ėsterreich reduziert werden. Nichtsdestotrotz ist zumindest eine Orientierung m√∂glich.

F√ľr wen gilt die Verpflichtung der Gehaltsangaben in Stelleninseraten?

Die gesetzliche Verpflichtung gilt f√ľr jeden Arbeitgeber, f√ľr Personal- und Arbeitsvermittler und das AMS. Allerdings besteht die Pflicht nur bez√ľglich eines konkreten Jobs und nicht etwa f√ľr einen generellen Aufruf einer Firma, verschiedenste Mitarbeiter einstellen zu wollen.

Die Verpflichtung bezieht sich auf die Angabe eines Mindestentgeltes, wobei seit 2013 auch Arbeitgeber betroffen sind, die keinem Kollektivvertrag unterliegen. Das ist ein großer Vorteil, denn bei solchen Firmen konnte man vor 2013 gar keine Informationen zu Gehältern erhalten.

Gehaltsangaben sind f√ľr alle Positionen au√üer leitende Funktionen, Gesch√§ftsf√ľhrer- oder Vorstandspositionen zu nennen.

F√ľr Teilzeitstellen oder geringf√ľgige Besch√§ftigungsverh√§ltnisse bestehen keine Ausnahmen. Auch f√ľr sie muss die Verdienstchance genannt werden.

Was m√ľssen Gehaltsangaben in Stelleninseraten wirklich beinhalten?

Die Gehaltsangaben m√ľssen insbesondere kl√§ren, welchen Betrag ein Mitarbeiter in einem bestimmten, zu nennenden Zeitraum (√ľblicherweise Angabe von Wochenstunden) mindestens verdienen wird. Bekannte Zulagen, die bereits im Inserat abgeleitet werden k√∂nnen (z.B. erkennbar durch den Zusatz ‚ÄúSenior‚ÄĚ) m√ľssen bereits im Betrag eingerechnet sein.

Besonders h√§ufig sehe ich, dass insbesondere beim letzten Kriterium Fehler gemacht werden. √úberpr√ľfungen meinerseits zeigen, dass es sich viele Firmen einfach machen und nur das Mindestgehalt der Einsteigerstufe angeben. Die gesuchten Kriterien (z.B. mindestens 3 Jahre Berufserfahrung) sind aber ein Hinweis darauf, dass dieses Mindestentgelt nicht zu Stelle passt. Die Angabe ist daher gesetzwidrig.

Fazit

Aus meiner Sicht ist die verpflichtende Angabe von Gehaltsangaben in Stelleninseraten ein erster Schritt in die richtige Richtung. Zumindest erfährt man ohne langwierige Recherche die Höhe des Gehaltsminimums. Davon profitieren jedenfalls Berufseinsteiger.

Menschen mit einigen Jahren Berufserfahrung sollten sich jedenfalls im Zuge der Bewerbung auf einen anderen Job vorher schlau machen, mit welchen Durchschnittsgehältern in einer bestimmten Branche zu rechnen ist.

 

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