Führung

Der autoritäre Führungsstil – wann ist er sinnvoll?

die Businesscoach Der autoritäre Führungsstil - wann ist er sinnvoll?

Die meisten Menschen verbinden mit dem Wort “autoritär” und „autoritärem Führungsstil“ ein negatives Verhalten. Im Zusammenhang mit der Führung bedeutet autoritär aber keineswegs, einen besonders bösartigen Vorgesetzten zu haben.

Wesen des autoritären Führungsstils

Autorität zu führen bedeutet, dass die Führungskraft genaue Anweisungen gibt. Sie erklärt den MitarbeiterInnen sehr detailliert, wie Aufgaben erledigt werden sollen, indem auch die einzelnen Handlungsschritte genau erklärt werden. Teilergebnisse werden engmaschig kontrolliert und nicht selten greift die Führungskraft auch in einzelne Arbeitsschritte steuernd ein.

Wann ist der autoritäre Führungsstil sinnvoll?

Es gibt Situationen im Berufsleben, in welchen es erforderlich ist, dass der oder die Vorgesetzte die Führungszügel besonders straff in die Hand nimmt, weil ein höheres Orientierungsbedürfnis vorliegt.

Derartige Situationen liegen besondere dann vor, wenn es um Veränderungen geht. Diese können den Mitarbeiter selbst betreffen, aber auch von außen kommen.

Vier Situationen für den autoritären Führungsstil

Ein autoritäre Führungsstil ist also besondere dann notwendig, wenn Menschen genaue Orientierung brauchen, um ihren Job erledigen zu können.

neuer Mitarbeiter

Kommen MitarbeiterInnen neu ins Unternehmen ist das Bedürfnis nach Orientierung besonders hoch. Im Regelfall weiß der neue Mitarbeiter nicht, an wen er sich im Bedarfsfall wenden soll. Er kennt die Kompetenzabgrenzungen zu anderen Abteilungen nicht, und weiß um die Kultur des Unternehmens nicht Bescheid. Er braucht daher die autoritäre Führung, um sich orientieren zu können, und zu lernen, wie man im Unternehmen miteinander umgeht, wen er fragen kann, welche Erwartungen man an seinen Arbeitsstil hat.

neuer Job

Im selbe Maße bedarf es einiger Klärungen, wenn der Mitarbeiter bereits länger im Unternehmen ist, aber einen neuen Job bekommt. Verändert sich sein Aufgabengebiet, so ist es ebenso erforderlich, Arbeitsschritte zu definieren, Ergebnisse festzusetzen, Ansprechpartner zu nennen und die Effizienz der Erledigung zu besprechen.

neue Führungskraft

Der dritte Fall der Notwendigkeit autoritärer Führung ist, wenn die Führungskraft selbst neu ist. Die Mitarbeiter brauchen die Nähe zur Führungskraft, um zu erfahren, welche Erwartungen sie hat und welchen Arbeitsstil sie vorzieht.

Führen im Change

Befindet sich das ganze Unternehmen im Umbruch, so hat die ganze Mannschaft – einschließlich der Führungskräfte – einen höheren Orientierungsbedarf.

Umbruch findet z.B. statt, wenn das Unternehmen einen neuen Eigentümer bekommt, wenn eine Fusion ansteht, wenn neue Systeme implementiert werden oder etwa, weil sich eine Strategie wesentlich verändert.

Gerade in Changeprozessen ist es besonders wichtig, den Führungskräften rasch alle Informationen zu geben, die erforderlich sind, um ihre Teams anleiten und ihnen die Richtung weisen zu können. Fehlen diese Informationen, kann die Führungskraft nicht steuern. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, sind nicht nur die Mitarbeiter sondern auch die Führungskräfte zunehmend frustriert, was letztendlich ein Scheitern des Changes zu Folge hat.

Die Führungskräfte sind in Changeprozessen der Motor für das Gelingen der Veränderung. Ihr Agieren ist bedeutsam für den Erfolg des Veränderungsprozesses, weshalb die Auswahl der Führungskräfte in Zeiten der raschen Veränderung immer bedeutsamer wird.

Arbeit 4.0

Es wird daher zunehmend immer wichtiger, dass Führungskräfte in der Lage sind alle Führungsstile anzuwenden, und bei Bedarf eben auch den autoritären anzuwenden.

Leider denken viele Führungskräfte, dass sie dann besonders erfolgreich sind, wenn sie mit Ihren Mitarbeitern besonders freundlich umgehen. Dieses Denken führt dazu, dass es der betreffenden Führungskraft schwer fällt, in Krisenzeiten klare Ansagen zu machen und die Zügel straffer zu ziehen.

autoritärer Führungsstil und VUCA 

Häufig liest man, dass VOPA+ (Vernetzung, Offenheit, Partizipation, Agilität, Vertrauen) der einzig „richtige“ Führungsstil in der heutigen VUCA (Volantilität, Uncertainity, Complexity, Ambigity) Welt ist. Wenn auch ich zustimme, dass es erforderlich ist, Mitarbeiter nach dem VOPA+ Prinzip zu führen, um das Potential der Mannschaft in ihrer Gesamtheit zu heben, sehe ich die Situation differenzierter.

Auch in unserer schnelllebigen Zeit muss eine Führungskraft situativ den geeigneten Führungsstil anwenden. Es muss ihr gelingen, Situationen und Mitarbeiterbedürfnisse rasch zu analysieren und dementsprechend adäquat zu führen. Denn meines Erachtens ist es ein Irrtum, dass mit einem Schlag alle Mitarbeiter nur mehr nach dem VOPA Prinzip geführt werden können.

Dieser Irrtum ist schon alleine deshalb evident, als Führungskräfte mittlerweile mit vier sehr unterschiedlich tickenden Mitarbeitergenerationen zu tun haben. Neben den Baby Boomern, der Generationen x und y drängen bereits Vertreter der Generation z auf den Arbeitsmarkt. Alle brauchen meines Erachtens indivduelle Führung. Daher glaube ich, dass dieser neue Führungsstil die bisher bekannten ergänzt.

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