Bewerbungsprozess

Wie Sie Ihren Jobwechsel clever begründen!

eine Frau denkt nach

Im Bewerbungsgespräch wird man häufig aufgefordert, seinen Jobwechsel zu begründen.

Dabei müssen Sie mit Fragen wie  „Warum wollen Sie Ihre aktuelle Stelle verlassen?“, „Warum wollen Sie den Job wechseln?“, „Warum wollen Sie Ihren Arbeitgeber wechseln?“ oder „Warum wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?“ rechnen, die alle das gleiche Ziel haben.

Der Sinn der Frage, nach dem Jobwechselwunsch

Vor gar nicht allzu langer Zeit bekam ich von einem knapp 40 jährigen Bewerber auf die Frage, warum er ins Unternehmen eines Kunden wechseln wolle, zur Antwort: „Weil ich ja noch nicht in Pension gehen kann!“

Eine solche Antwort macht selbst hartgesottene Recruiter sprachlos. Diese Sprachlosigkeit bemerkend, setzte der Bewerber tatsächlich noch eines mit „Wollen wir das nicht alle?“ drauf.

Die an sich harmlos gestellte Frage lies mich also in diesem Fall sehr tief blicken und bedeutete für den Bewerber – hoffentlich wenig überraschend – das Aus in diesem Bewerbungsprozess.

Tatsächliche Motive

Die Frage nach dem Jobwechselwunsch ist eigentlich eine sehr harmlose und dient dazu, zu erfahren, welche Motive der Bewerber für den Wechsel hat, was er vom neuen Job erwartet und wie er sich einbringen möchte.

Der Recruiter möchte wissen, ob Sie sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben, sich auf dessen Homepage informiert und überlegt haben, welches Know How Sie bei ihm einsetzen können und wollen. Er möchte also insgesamt herausfinden, welchen Mehrwert Ihnen der neue Job bringt.

Arbeitslosigkeit

Allerdings bringt diese Frage genau jene Bewerber ins Schwitzen, die in ihrer alten Position bereits gekündigt und eventuell einige Monate freigestellt wurden, weil sie Angst haben, dass man vermuten könnte, dass die Kündigung selbstverschuldet ist.

Das wissen natürlich auch Recruiter und können mit der Frage nach dem Jobwechselmotiv herausfinden, ob die bislang – etwa im Motivationsschreiben – behaupteten Beweggründe für einen Wechsel tatsächlich stimmen.

Daher hat die Frage auch häufig den Sinn, Sie in eine unangenehme Situation zu bringen und zu sehen, wie Sie reagieren.

Was Sie nicht sagen sollten!

Auch wenn Sie bereits gekündigt wurden oder vielleicht selbst gekündigt haben, fokussieren Sie sich bei der Beantwortung nicht auf Ihren alten Job, sondern richten Sie Ihr Augenmerk auf den neuen! Halten Sie Ihren Fokus daher auf „Ich möchte in Ihrem Unternehmen arbeiten, weil …“ anstellen von „ich möchte im aktuellen Unternehmen nicht mehr arbeiten, weil …“ 

Es liegt an Ihnen, was Sie bei der Beantwortung aus der Frage machen und in welche Richtung sich das Gespräch entwickeln wird.

Selbst wenn es tatsächlich der Fall ist, dass Sie aktuell bereits gekündigt wurden oder haben, so haben Sie doch Gründe, warum Sie sich gerade auf diese Position beworben haben. Während Ihrer Suche sind Ihnen bestimmt auch andere Positionen unter gekommen, gegen die Sie sich entschieden haben und deshalb keine Bewerbung abschickten.

Machen Sie sich schon im Vorfeld Gedanken darüber, was konkret Sie bei dieser Bewerbung angesprochen hat und wie Sie eine diesbezügliche Antwort geben können. Vermeiden Sie dabei alle Antworten, die ein schlechtes Licht auf Sie selbst werfen könnten. Achten Sie aber auch darauf, dass Ihre Antworten nicht aus leeren Floskeln bestehen.

Probleme mit der Führungskraft oder dem Team

Vermeiden Sie unbedingt jegliche Antwort, die auf Probleme in Ihrem alten Job hinweisen könnten, selbst dann, wenn Sie in Ihrem aktuellen Job ungerecht behandelt oder gar gemobbt werden.

Da der Recruiter nur Ihre Seite der Darstellung erfährt, wird er eher befürchten, dass es auch in der neuen Position zu ähnlichen Problemen kommen könnte. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, wenn Sie von Problemen mit dem ganzen Team erzählen.

Eine solche Antwort bringt dem Personaler auch keinen Mehrwert sondern lässt ihn zusätzlich befürchten, dass Sie nicht lösungsoriertiert sondern eher schuldzuweisend agieren.

Geld

Beantworten Sie die Frage auch nicht damit, dass Ihnen in der neuen Position mehr Geld winkt. Da der Personaler jemanden sucht, dem die Arbeit Spaß macht und der sich im Job einbringt, möchte er niemanden einstellen, dem es ausschließlich ums Geld geht.

Kürzere Arbeitswege

Selbst wenn es gut nachvollziehbar ist, dass Ihnen Ihr aktueller Arbeitsweg zu lange ist, ist er kein Grund, der das Interesse des Personalisten für Sie weckt. Daher sollten Sie diesen Grund überhaupt nicht erwähnen.

Work Life Balance

Keine ausgewogene Work Life Balance zu haben, ist ebenso ein Grund, der gut nachvollziehbar ist, wenn Sie ihn erklären. Ich empfehle aber, diesen Grund höchstens als Zusatz „und außerdem achtet Ihr Unternehmen auf eine ausgewogene Work Life Balance“ zu erwähnen, in erster Linie aber inhaltliche Themen zu nennen, die Sie am neuen Job reizen.

Gute Motive für den Jobwechsel!

Besonders günstig sind Motive für einen Jobwechsel dann, wenn Sie zukunftsgerichtet sind, mit Ihrer Entwicklung zu tun haben und auch dem Unternehmen einen Mehrwert bringen werden.

Personalisten suchen in erster Linie nach Menschen, die eigenmotiviert Arbeiten erledigen. Sie möchten daher herausfinden, was der Motor ist, der Sie antreibt, zukünftig nach Erfolg im neuen Unternehmen zu streben.

Neue Herausforderung

In Ihrer aktuellen Position ist Routine eingetreten und Sie verspüren keinen Spaß und Herausforderung mehr? Dann könnten Sie formulieren, dass Sie eine bestimmte Tätigkeit, die im Inserat genannt wurde, Sie besonders reizt. Sie könnten erzählen, dass es diese Tätigkeit in Ihrer aktuellen Position nicht gibt und Sie deshalb im neuen Job mehr Perspektiven für sich sehen.

Wenn der Personaler hört, dass Sie interessiert sind, eine spannende Herausforderung anzunehmen, weil sie Ihnen Freude bereitet, weiß er, dass Sie selbstmotiviert sind und keine weiteren Impulse brauchen, um gute Arbeit zu leisten.

Berufliche Weiterentwicklung

Wenn die neue Position einen Aufstieg für Sie darstellt, dann ist das für den Personaler ähnlich interessant. Da Unternehmen daran interessiert sind, dass Mitarbeiter sich selbst verwirklichen können und eigenmotiviert arbeiten, bekommt er auch mit dieser Antwort das Gefühl, dass Sie in der Arbeit Befriedigung finden und den Job gerne machen werden.

Umzug

Auch wenn ein Umzug eine plausible Erklärung für einen Jobwechsel darstellt, sollte er nicht der einzige Grund sein, den Sie nennen.

Unternehmen sind immer auf der Suche nach Menschen, die aufgrund eigener Motivation einen Job machen und nicht nur, weil Sie Geld verdienen müssen, um Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Daher sollten Sie auch dann, wenn ein Umzug der eigentliche Grund für einen Jobwechsel ist, immer auch hervorheben, was Sie an der konkreten Position besonders reizt.

Internationale Arbeitserfahrung

Auch die Tatsache, dass Sie in ein Unternehmen wechseln wollen, dass Ihnen Gelegenheit bietet, internationale Kontakte zu knüpfen oder zu reisen, stellt für den Personalisten ein sehr nachvollziehbares und daher gutes Motiv für einen Jobwechsel dar, weil er damit zu hören bekommt, dass der neue Job Ihnen eine Möglichkeit bietet, ein Bedürfnis zu befriedigen.

Berufliche Neuortierung

Wer sich beruflich neu orientieren muss, weil z.B. die Jobaussichten seines aktuellen Berufes zukünftig immer schlechter werden, sollte insbesondere versuchen, Parallelen vom alten zum neuen Job zu ziehen.

Schildern Sie insbesondere, welche Erfahrungen und welches Know How ähnlich ist und Sie deshalb auf diese Dinge zurückgreifen können. Betonen Sie auch in diesen Fällen, dass Sie die Herausforderung reizt und Sie deshalb hoch motiviert an die Sache herangehen wollen.

Schwierige Situationen für einen Jobwechsel

Manche Wechselmotive werden von Personalern eher schwierig gesehen, weil Sie aus unterschiedlichen Gründen vermuten, dass der Bewerber den neuen Job nicht erfolgreich ausüben kann oder wird.

In solchen Fällen muss man tatsächlich erklären, warum man die alte Position verlässt.

Wechsel von der Führungs – zur Mitarbeiterposition

Wenn jemand bereits eine Führungsposition hatte, besteht Erklärungsbedarf, warum er auf eine Mitarbeiterposition wechseln möchte.

Ein solcher Schritt stellt aus einem objektiven Blickwinkel einen Rückschritt dar und wird ohne nachvollziehbare Begründung auch sehr wahrscheinlich vom Recruiter, dem Sie gegenüber sitzen, so interpretiert werden.

Ich rate in solchen Fällen schon zur Erklärung im Motivationsschreiben, da sonst die Gefahr besteht, dass schon Ihre Chancen, eingeladen zu werden, gering sind.

Wechsel in eine andere Branche

Ähnlich kritisch wird von vielen Personalern die Tatsache gesehen, dass Sie die Branche wechseln wollen. Oft wird dabei argumentiert, der Bewerber hätte keine Branchenerfahrung, wisse nichts über die Kultur in der Branche und hätte kein Netzwerk.

Hier sollten Sie auch versuchen, dem Personaler den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem Sie Parallelen von Ihrem alten zum neuen Job aufzuzeigen und eventuell ist es möglich, ihm Ihr Netzwerk als potentielle neue Kunden zu verkaufen.

Wechsel von einem Konzern in einen Familienbetrieb und umgekehrt

Beim angestrebten Wechsel vom Konzern in einen Familienbetrieb bzw. umgekehrt, wird oft vermutet, dass sich der Bewerber nicht in gänzlich anderen Strukturen zurecht finden wird.

Auch das ist ein Thema für das ich bereits eine Erwähnung im Motivationsschreiben empfehle. Zerstreuen Sie eventuelle Bedenken bereits im Vorfeld, indem Sie das Thema aufgreifen und den Wechselwunsch erklären.

Wann sollten Sie erwähnen, dass Sie schon gekündigt wurden?

Diese Frage ist je nach Ausgangslage unteschiedlich zu beantworten.

Wenn keine Gründe dafür sprechen, dass Sie die Karten auf den Tisch legen müssen, dann tun Sie es auch nicht. Im Falle einer Freistellung, bei der Sie tatsächlich noch angestellt sind, brauchen Sie den Umstand auch nicht zu erwähnen.

Anders sieht es aus, wenn Sie bereits arbeitslos gemeldet sind, da möglich ist, dass das neue Unternehmen einen Auszug Ihrer Versicherungsdaten verlangt.

Hier rate ich, dass Sie sich eine Begründung zurechtlegen, die nichts mit Ihnen als Person zu tun hat und diesen Grund bereits in der Einleitungsfrage „erzählen Sie von sich“ anzubringen. Oft bieten sich etwa Umstrukturierungen im eigenen Unternehmen als Erklärung an.

Wie oft sollte man Job wechseln?

Auch bei dieser Frage sind Pauschalantworten unmöglich, da viele Einflusskriterien bei der Beantwortung eine Rolle spielen.

Denkt man etwa an die IT, werden Entwicklern sehr häufig angesprochen und abzuwerben versucht. Im Falle einer Abwerbung gibt es kein Limit für Ihre Jobwechsel.

Wollen Sie aus eigenen Stücken Jobwechseln, sollten Sie jedenfalls rund zwei Jahre in einem Unternehmen gewesen sein, bevor Sie einen Wechsel angedenken.

 

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