Vom Teammitglied zur Führungskraft – Wie der Führungs­übergang einfach gelingt!

Zeigt eine dunkelhaarige, junge Führungskraft im Vordergrund mit verschränkten Armen. Im Hintergrund sieht man drei beschäftige Mitarbeitende

Vom Teammitglied zur Führungskraft zu werden ist ungleich schwerer als in einem fremden Team oder gar Unternehmen die erste Führungsrolle zu übernehmen.

Trotzdem bietet sich diese Gelegenheit recht häufig und macht insofern für viele Bewerberinnen und Bewerber Sinn, weil sie sich im Regelfall bereits mehrere Jahre mit der jeweiligen Materie beschäftigt haben und daher jedenfalls das fachliche Know how und die inhaltlichen Kompetenzanforderungen erfüllen.

Welchen Herausforderungen man sich auf dem Weg vom Teammitglied zur Führungskraft stellen muss

Der Übergang vom Teammitglied zur Führungskraft ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Das wichtigste Thema, um einen erfolgreichen Übergang zu sichern, ist die eigene Einstellung zu ändern.

Mindset Teammitglied versus Führungskraft

Nicht selten wird genau jene Person zur Führungskraft aus dem eigenen Team, die zuvor die Expertenrolle innehatte. Das macht den Übergang zur Führungsposition deshalb schwer, weil der Übergang in die Führung – besonders bei großen Teams – das Abgeben der eigenen Aufgaben erfordert.

Wer mehr als zehn Personen führt, hat selten die Ressourcen auch inhaltlich operativ tätig zu sein.

Gleichzeitig erwartet das Umfeld nicht selten die Aufrechterhaltung der bisher reibungslos gelösten Aufgaben. An den bisherigen Experten werden weiterhin Aufgaben herangetragen, und erwartet, dass er sie selbst löst. Wenn die neue Führungskraft sich in solchen Fällen nicht von Anfang an abgrenzt, geht sie bald in ihrer neuen Rolle unter.

Eine ausdrückliche Besonderheit kommt dem Ablegen der bisherigen Teammitglied- und Annehmen der neuen Führungsrolle zu, der sich sehr viele junge Führungskräfte nicht in dieser Deutlichkeit bewusst sind.

Als neue Führungskraft wechselt man auf die Arbeitgeberseite. In unserer modernen Arbeitswelt, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnet, ist dieser bedeutende Unterschied selten augenscheinlich. Stellen Sie sich aber eine Streiksituation vor.

Dann ist er wesentlich und fällt auch für Sie ab sofort ins Gewicht. Denn ab dem Wechsel in die Führungsposition gehören Sie zu jenen, die im Streikfall bekämpft werden.

Auch aus diesem Grund ist es von Beginn an für jede Führungskraft wichtig, Distanz zu wahren.

Diese angemessene Distanz zu wahren kann für all jene die vom Teammitglied zur Führungskraft werden insbesondere deshalb schwierig sein, weil meistens persönliche Beziehungen zu anderen Teammitgliedern vorhanden sind. Als Führungskraft ist es ab sofort wichtig, professionell Grenzen zu setzen.

Dass Sie ab sofort zur Führungsriege gehören und Ihnen das auch bewusst sein sollte, ist auch deshalb wichtig, da Sie versucht sein könnten, als ehemaliges Teammitglied Entscheidungen zu treffen, die das Wohl der ehemaligen Kollegen priorisieren.

Ab dem Führungswechsel stehen Sie seitens Ihrer übergeordneten Führungskräfte auf dem Prüfstand, objektive Entscheidungen im Sinne des gesamten Unternehmens zu treffen.

Die neue Führungskraft muss sich aus den genannten Gründen von Beginn an gegenüber den Erwartungen der eigenen Führungskraft, der internen und externen Schnittstellen und der Teammitglieder abgrenzen.

Diese Herausforderungen erfordern Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeiten und die Fähigkeit, sich an die neue Rolle anzupassen.

Abgrenzung auf der Sachebene

Mit der Beförderung zur Führungskraft ändern sich Ihre Aufgaben. Das muss Ihnen selbst bewusst sein, aber auch ihrem Umfeld kommuniziert werden.

In der Praxis stehen Führungskräfte, die aus dem eigenen Team kommen oft vor der Herausforderung, sich nicht in ihrer neuen Rolle offiziell einfinden zu können, weil niemand die entsprechende Kommunikation erledigt.

Deshalb rate ich, dass übergeordnete Führungskräfte diesen Wechsel offiziell sowohl dem Team aber auch den externen und internen Schnittstellen kommunizieren.

Wenn dieser wichtige Schritt der Kommunikation des Wechsels vom Kollegen zum Chef nicht von der übergeordneten Führungskraft vorgenommen wird, müssen Sie ihn selbst erledigen!

Abgrenzung auf der Beziehungsebene

Wenn Sie vom Teammitglied in die Führungsebene aufsteigen, sind Sie plötzlich nicht mehr Teil des Teams.

Sich das bewusst zu machen, ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Führungsübergang.

Ab sofort stehen Sie dem Team vor und sind nicht mehr „Freund und Kollege vom Mayersondern dessen Vorgesetzter.

Ob Sie diesen Gedanken berücksichtigt haben, zeigt sich übrigens beim ersten Delegationsgespräch, wenn Sie dem Kollegen Mayer eine Aufgabe zuteilen wollen oder beim ersten Kritikgespräch, wenn Sie an seiner Arbeit etwas auszusetzen haben.

Denn nur, wenn Ihnen und dem Kollegen klar ist, dass Sie nicht mehr sein Kumpel sind, wird er Ihnen den Respekt gegenüberbringen und Ihre Kritik auch an- und ernst nehmen.

Werkzeuge, die den Transfer vom Teammitglied zur Führungskraft ermöglichen

Wenn man aus dem eigenen Team zur Führungskraft ernannt wird, gibt es einige sehr wichtige Dinge zu beachten.

Kommunikation zielgerichtet gestalten

Es ist wichtig, dass klar und transparent kommuniziert wird, warum Sie zur Führungskraft ernannt wurden und wie sich dadurch die Beziehung zu den ehemaligen Kollegen verändern wird.

Wie bereits erwähnt, sollte dies sinnvollerweise durch die übergeordnete Führungskraft geschehen, da die Teammitglieder dadurch erfahren, dass auch der Abteilungs- oder Gruppenleiter zu der Entscheidung steht bzw. sie gutheißt und diese Geste Respekt und Vertrauen gegenüber der neuen Führungskraft verleiht.

Es wird damit auch das Signal der Veränderung gesetzt, andernfalls die Teammitglieder das Gefühl haben könnten, dass alles beim Alten bliebe und sich nicht besonders viel ändert, nur weil Ihr Name jetzt im Organigramm steht.

Sollte Ihre Führungskraft diesen Schritt nicht setzen, liegt es bereits an Ihnen, diesen Kommunikationsteil durch eine offizielle Antrittsrede zu erledigen.

Neutrale Haltung einnehmen

Eine neutrale Haltung gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu zeigen, ist besonders dann schwierig, wenn Sie in der Vergangenheit in Ihrer Eigenschaft als Teammitglied besondere Freundschaften zu einigen Teammitgliedern pflegten.

In solchen Fällen rate ich Ihnen das Thema mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offen zu besprechen und in Anwesenheit aller klarzumachen, dass die Freundschaft zum Mayer eine Sache Ihres Privatlebens ist und Sie diese Tatsache beruflich gut abgrenzen können.

Sie können sicher sein, dass Sie und der Mayer zukünftig sehr genau beobachtet werden und jedes Gespräch mit ihm unter vier Augen den Verdacht auslösen wird, dass Vertrauliches besprochen wurde und der Mayer jetzt einen Vorteil hat.

Vermeiden Sie daher zukünftig allein mit ihm gesehen zu werden und achten Sie darauf, dass auch Einzelgespräche nur in einem für alle nachvollziehbaren Kontext (z.B. Mitarbeitergespräch) stattfinden.

Vertrauen schaffen – Besonderheit bei der Führungsrolle aus dem eigenen Team heraus

Basis jeder erfolgreichen Führung ist, dass die Menschen, die man führen möchte, einem vertrauen.

Das ist als ehemaliges Teammitglied besonders deshalb schwierig, weil die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen eventuell befürchten müssen, dass Sie Wissen, das sie als Kollege erfahren haben, gegen sie verwenden.

Daher sollten Sie sich bemühen, offen und ehrlich zu kommunizieren und gegenseitige Erwartungen abzusprechen und Befürchtungen auszuräumen.

Sollten Sie in der Situation sein, dass mit ehemaligen Kollegen Konflikte oder Spannungen bestehen, sollten Sie versuchen, diese professionell zu lösen und eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Da es eventuell auch Kolleginnen oder Kollegen gibt, die sich ebenfalls um die Stelle der Führungskraft beworben haben, müssen Sie damit rechnen, dass Ihnen Neid und Rivalität entgegenschlägt und sie schon deshalb besonders auf dem Prüfstand stehen.

Es könnte in einer solchen Situation besonders hilfreich sein, genau diese Kolleginnen oder Kollegen verstärkt in Entscheidungen einzubinden und ihre Meinung abzufragen. Denn je eher sie Gehör finden und sich von Ihnen kompetent vertreten fühlen, desto schneller werden sie Sie in Ihrer neuen Rolle akzeptieren.

Emotionen, mit denen Sie rechnen müssen

Auf dem Weg vom Teammitglied zur Führungskraft müssen Sie darauf gefasst sein, dass Sie sowohl mit neuen eigenen als auch mit den unbekannten Gefühlen Ihrer ehemaligen Kolleginnen und Kollegen konfrontiert werden.

Sie selbst werden mit Unsicherheiten kämpfen, umso stärker je unerwarteter Sie in die neue Rolle geraten sind.

Anfänglich werden Sie diese Unsicherheiten bei den ersten Schritten in Ihrer neuen Rollen auch nervös erscheinen lassen. Um diese Nervosität zu vermeiden, sollten Sie sich auf ihre ersten Schritte ausreichend vorbereiten.

Die Reaktionen Ihrer Kolleginnen und Kollegen auf die Ernennung vom ehemaligen Teammitglieds zur Führungskraft können recht unterschiedlich ausfallen.

Manche Kolleginnen und Kollegen könnten positiv reagieren und Sie als neue Führungskraft aktiv unterstützen, andere verhalten sich eventuell skeptisch oder gar ablehnend.

Umgang mit Reaktionen beim Wechsel vom Teammitglied zur Führungskraft

Der Bestfall liegt vor, wenn alle ehemaligen Kolleginnen und Kollegen Ihre Wahl zur Führungskraft begrüßen und vielleicht sogar aktiv unterstützen. Dann werden Sie sich sehr rasch in die neue Rolle eingewöhnen und sie kompetent erfüllen, weil Ihre ehemaligen Kolleginnen und Kollegen Ihnen bereits Vertrauen und Respekt gegenüber bringen.

Hier wird es ausreichen, regelmäßige Meetings zu veranstalten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Arbeit und der Entwicklung zu unterstützen und sie gut im Unternehmen zu vertreten.

Sind Sie allerdings mit Skepsis und Widerstand konfrontiert, weil Kolleginnen oder Kollegen die Entscheidung, Sie als Führungskraft einzusetzen nicht nachvollziehen können oder für unangemessen und ungerecht halten, sind Sie gefordert, deren Skepsis auszuräumen.

Das Mittel dazu ist, sich die Kritik und Bedenken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuhören und Verständnis für ihre Haltung zu zeigen. Gleichzeitig sollten Sie Handlungen setzen, die diese Skepsis ausräumt und die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt in Prozesse einbinden, um ein Auge darauf zu haben, wie sich die Haltung Ihnen gegenüber entwickelt.

Einige Kollegen könnten unsicher sein, wie sich die Beziehung zu Ihnen verändern wird, und wie sich die Dynamik im Team generell entwickeln wird. Auch hier ist wichtig, sich diese Befürchtungen anzuhören, sie ernst zu nehmen und gegebenenfalls rasch auszuräumen.

Andere wiederum könnten hinsichtlich der Veränderung der Teamdynamik neugierig und offen sein, etwa weil sie sich eine solche schon länger gewunschen haben. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hegen Erwartungen, die rasch abgeholt und gegebenenfalls erfüllt werden müssen. Gleichzeitig sollten Sie diese Offenheit nutzen, um ein positives und kooperatives Arbeitsklima zu schaffen.

Besonders dann, wenn an Sie Erwartungen hinsichtlich des Teams und dessen Dynamik gestellt werden, könnten Konflikte entstehen, weil ehemalige Kolleginnen und Kollegen nicht mit der neuen Rollenverteilung nicht einverstanden sind. Als Führungskraft ist es wichtig, diese Konflikte rechtzeitig zu erkennen und angemessen entgegenzusteuern bzw. zu lösen.

Insgesamt ist es besonders am Anfang Ihrer neuen Rolle wichtig, einfühlsam und respektvoll auf die Reaktionen der Kollegen zu reagieren und sich aktiv darum zu bemühen, Vertrauen und Respekt zu gewinnen.

Offene Kommunikation, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, auf die Bedürfnisse und Sorgen der Kollegen einzugehen, sind entscheidend, um den Übergang zur neuen Führungsrolle erfolgreich zu gestalten.

Sandwichposition – worauf es in der neuen Position ankommt

Gänzlich neu für Sie ist die Situation, dass Sie gleichzeitig Mitarbeiterin oder Mitarbeiter aber auch Führungskraft sind. Es gilt ab jetzt, zwischen diesen beiden Polen hin- und her zu switchen.

Dieser Situation sind natürlich die meisten Führungskräfte ausgesetzt, solange sie nicht die Spitze eines Unternehmens bekleiden. Sich darin einzufinden fällt aber neuen Führungskräften besonders schwer und jenen, die noch gerade Teammitglied waren, wahrscheinlich noch ein Stückchen mehr.

Stellen Sie sich auf den Balanceakt ein, der in Form von vertraulichen Informationen auf sie zukommt.

Ihrem Geschick, zu entscheiden, was davon reif für die Kommunikation an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist wird es zu verdanken sein, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend über die Vorgänge im Unternehmen informiert fühlen.

Daran messen sie, wie sehr sie Ihnen vertrauen können und davon hängt es ab, wie sehr sie sich für Sie – bzw. das Unternehmen, dessen Repräsentant Sie ab dem Wechsel in die Führungsposition sind – engagieren wollen.

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