Staffing

eine Frau wird von allen Kollegen angeschrien

Staffing zählt zu einer der Arten des Mobbing.

Während Staffing wörtlich übersetzt „Personalbesetzung, Personal einstellend, besetzend“ bedeutet, wird der Begriff bei uns dafür verwendet, um das Mobben einer Führungskraft zu benennen.

Staffing, Mobbing und Bossing

Vom Mobbing spricht man, wenn von einer Person Schikanen gegen eine andere Person ausgehen. Der Begriff „Mobben“ wird verwendet, wenn das Mobben zwischen Mitarbeitern auf gleicher Ebene stattfindet.

Vom „Bossing“, spricht man, wenn eine Führungskraft einen oder mehrere Mitarbeitende quält.

In diesem Beitrag soll das „Staffing“ als dritte Mobbingvariante behandelt werden. Es bedeutet, dass ein oder mehrere Mitarbeiter die Führungskraft schikanieren.

Voraus geschickt sei in diesem Zusammenhang, dass das Staffing meist von mehreren Mitarbeitern gleichzeitig betrieben wird, weil es andernfalls eher dazu führen würde, dass der jeweilige Mitarbeiter sich selbst ausgrenzt.

Die Schikane durch nur einen Mitarbeiter im Alleingang wäre zudem eher wirkungslos, wenn man davon ausgeht, dass häufige Formen der Schikane darin bestehen, zu verstummen, wenn die Führungskraft den Raum betritt oder, ihr wichtige Informationen vorzuenthalten.

Ursachen für Staffing

Vorgesetzte werden meistens deshalb gemobbt, weil Mitarbeiter mit ihrer Arbeitssituation bzw. dem Führungsverhalten der Führungskraft unzufrieden sind.

Die Motive, die Führungskraft zu mobben sind meist Antipathie, Neid oder Frust.

Schwache Führungskräfte sind übrigens der Gefahr des Staffings wesentlich häufiger ausgesetzt als Leader, weil sie ihre Autorität nicht einsetzen können und oft zum Spielball der Mitarbeiter werden.

Ursachen des Staffing

Staffing setzt oft voraus, dass die Person, die gemobbt wird, objektiv „schwächer“ ist, als jene, die mobbt.

Anderenfalls würde der Gemobbte geeignete Mittel anwenden, um sich zur Wehr zu setzen. Deshalb ist der Grund auf den alle Staffingursachen zusammenlaufen häufig schwache Führung.

In meiner Recherche zum Thema habe ich den Satz gelesen Zwar ist es meist das Verhalten des Vorgesetzten, das über kurz oder lang zum Staffing führt, doch wäre es falsch, die Schuld deshalb dem Chef in die Schuhe zu schieben.“ Ein interessanter Satz, dem ich doch einiges entgegenhalten möchte.

Wenn es nämlich tatsächlich das Verhalten des Vorgesetzten ist, dass das Staffing auslöst, dann ist gerade bei ihm die Verantwortung zu suchen. Denn sein Verhalten löst Reaktionen bei den Mitarbeitern aus. Wenn die Autorin die Schuldfrage schon stellt, dann frage ich mich, wem sie die Verantwortung „in die Schuhe schieben“ möchte.

Wie Studien¹,² darlegen, ist ganz besonders schwaches Führungsverhalten der Grund dafür, dass oft Schlüsselkräfte Unternehmen verlassen.

Mitarbeiter, die mit einer schwachen Führung konfrontiert sind, haben nur zwei Möglichkeiten. Entweder sie versuchen, beim Vorgesetzten eine Verhaltensänderung hervorzurufen oder sich damit abzufinden. Besonders Schlüsselkräften fällt letzteres schwer und es bleibt ihnen langfristig keine andere Wahl, als zu kündigen.

Ich stimme der Unzulässigkeit der Schuldzuweisung daher nur dort zu, wo das Staffing auf genereller Antipathie oder gar auf Neid fußt, weil z.B. die Mobbenden selbst, den Job der neuen Führungskraft haben wollten.

Dann aber kann man nicht davon sprechen, dass das Verhalten der Führungskraft das Staffing ausgelöst hätte, denn Neid und Antipathie sind Gefühle die beim Mobbenden ihren Ursprung haben und nicht auf einem Verhalten der Führungskraft fußen.

Der Schluss der Autorin ist daher schlichtweg falsch.

Schwache Führung

In meiner Recherche für diese Artikel habe ich gelesen, dass der autoritäre Führungsstil einer der Gründe für staffing wäre. Auch diese Meinung teile ich nicht vorbehaltlos.

Ich stimme ihr zu, wenn eine Führungskraft ausschließlich autoritär führt. Allerdings ist meines Erachtens jede Führungskraft, die ausschließlich einen Führungsstil anwendet, in gleichem Maße der Mobbinggefahr ausgesetzt.

Denn auch eine Führungskraft, die ausschließlich kooperativ oder demokratisch führt, wird schnell Unmut auslösen, wenn sich z.B. ein Teammitglied laufend zu Lasten der anderen Vorteile verschafft, und die Führungskraft dieses Verhalten nicht abstellt.

Der autoritäre Stil – wenn er im Sinne der situativen Führung richtig angewandt wird – ist nicht per se schlecht. Die Missinterpretation entsteht, wenn man den Begriff des autoritären Stils inhaltlich falsch definiert, und sich nur vom negativ besetzen Wort „autoritär“ leiten lässt.

Der autoritäre Führungsstil ist einer von mehreren Führungsstilen, die eine Führungskraft im Repertoire haben muss. Und sie muss in der Lage sein, ihn in der entsprechenden Situation einzusetzen.

Ich gehe daher sogar noch einen Schritt weiter und vertrete die Ansicht, dass gerade die Führungskraft, die den autoritären Führungsstil nicht „drauf hat“, in höherem Maße der Mobbinggefahr ausgesetzt ist.

Daher ist viel mehr die schwache Führung – nämlich die Führungsstile nicht anwenden und in unterschiedlichen Situationen benutzen zu können – Grund, warum Mitarbeiter aufbegehren und mobben.

Das staffing geht meines Erachtens in solchen Fällen, wenn auch unbemerkt, übrigens mit hoher Wahrscheinlichkeit von jenem Mitarbeiter aus, der viel eher das Zeug zur Führung hätte.

Schlechte Arbeitsgestaltung

Wenn Mitarbeitende nicht ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden und sich nicht selbst verwirklichen können, weil der erforderliche Freiraum nicht gewährt wird, stellt sich rasch ihre Unzufriedenheit ein.

Diesen Frust kommunizieren sie zunehmend, eventuell auch ohne deutlich anzusprechen, was der Grund dafür ist. Die Folge daraus ist, dass sie kündigen. Wenn sie das nur innerlich und nicht tatsächlich tun, bekommt ihre Umgebung ihren Frust ab.

Vertrauensverlust

Gegenseitiges Vertrauen ist Basis einer guten Zusammenarbeit im Verhältnis Mitarbeitende zu Führungskraft.

Wenn diese Basis nicht erzeugt wird oder durch ein Ereignis zerstört wird, kann die Folge Staffing sein.

Auftreten von Staffing

Eine Studie³ mit 4.001 Befragten die 2018 einen Ländervergleich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Thema Mobbing aufstellte, kommt zum interessanten Ergebnis, dass  Mobbingangriffe zwar in allen Ländern am seltensten von Untergebenen ausgehen, allerdings in Österreich diese Konstellation gleich doppelt so häufig auftritt wie in Deutschland oder der Schweiz.

2018 betrug das Bossing in Österreich (1.000 Befragte) 45%, Mobbing 72% und Staffing immerhin 12%.

In Deutschland  (2.000 Befragte) betrug Bossing 48%, Mobbing 72% und Staffing 6%. Die Schweiz (1.001 Befragte) kam auf 58% Bossing, 63%Mobbing, 7% Staffing.

Alle auffindbaren Studien kommen übrigens zum Ergebnis, dass Mobbingopfer mehrheitlich weiblich sind und, dass Frauen von beiden Geschlechtern gemobbt werden, Männer jedoch überwiegend von Männern.

Staffing findet in der Regel durch mehrere Personen statt. Dies liegt an der überlegenen Position der Führungskraft gepaart mit dem Umstand, dass sich ein einzeln Staffender lediglich selbst ausgrenzen würde. Um das Staffingziel zu erreichen, sind daher eher mehrere verbündete Kollegen am Werk.

Ziel des Staffings

Ziel des Staffings ist, eine Veränderung beim Betroffenen auszulösen und letztlich, ihn los zu werden. Gestaffte werden also solange schikaniert, bis sie freiwillig das Handtuch werfen und das Feld räumen.

Staffing Methoden

Kommunikative Ausgrenzung

Betroffene werden meist kommunikativ ausgegrenzt.

Informationen werden vorenthalten, was zwangsläufig dazu führt, dass sie gegenüber dem Management uninformiert dastehen.

Besonders subtil ist, wenn dem Betroffenen nach außen hin eine intakte Beziehung vorgegaukelt wird, welche tatsächlich nicht existiert. Liefern Mitarbeitende ihren Vorgesetzten auch noch bewusst falsche Informationen, auf deren Basis diese Entscheidungen treffen, steigt das Risiko beim Management oder Kollegen gleicher Ebene in Misskredit zu fallen.

Nonverbale Signale, wie abwertende Blicke, Achselzucken, abwertende Kopfhaltungen und Gesten können verstärkend eingesetzt werden und dienen darüber hinaus als Ausdruck der Geringschätzung und der Verachtung.

Gerüchte streuen

Besonders um Verbündete zu finden, streut der Urheber des Staffings häufig bewusst Gerüchte, um das Ansehen der betroffenen Führungskraft sowohl bei Mitarbeitern als auch dem höheren Management in Verruf zu bringen.

Dabei wird oftmals versucht, das Privatleben und die Persönlichkeit des Betroffenen tiefgreifend zu verletzen, z.B. indem Affären oder unprofessionelles Führungsverhalten angedeutet werden.

Lösung des Staffing Problems

Um das Problem zu lösen, muss jedenfalls nach der Ursache gesucht werden. Wie oben dargestellt, beruht das Staffing sehr häufig auf einer Führungsschwäche.

Wurde es durch Neid oder Antipathie ausgelöst, und gelingt es der Führungskraft sich zu behaupten, wird sich das Thema rasch von selbst erledigen.

Handlungsempfehlung für Führungskräfte

Selbstreflixion und Entwicklung

Führungskräfte sollten regelmäßig ihr eigenes Führungsverhalten reflektieren und sich kontinuierlich weiterentwickeln. Dies kann durch Schulungen, Coaching oder Mentoring erreicht werden.

Offene Kommunikatiom fördern

Eine offene Kommunikationskultur schafft Vertrauen und verringert das Risiko von Missverständnissen. Führungskräfte sollten daher sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter sich gehört und respektiert fühlen.

Konstruktives Feedback einholen

Die Staffenden erhoffen sich eine Verhaltensänderung der Führungskraft. Daher sollte diese Feedback von den Mitarbeitenden einholen und konstruktiv darauf reagieren. Dies ermöglicht es Führungskräften, eigene Schwachstellen zu identifizieren und gezielt daran zu arbeiten.

Teamdynamik fördern

Ein starkes Teamgefühl kann Mobbing entgegenwirken. Führungskräfte sollten daher Maßnahmen ergreifen, um eine positive Teamkultur zu fördern und sicherzustellen, dass Teammitglieder gut miteinander arbeiten.

Transparente Entscheidungsprozesse

Klare und transparente Entscheidungsprozesse können Unsicherheiten minimieren und das Vertrauen der Mitarbeitenden stärken.

Handlungsempfehlung für Mitarbeitende

Konfliktlösung und Kommunikation

Konflikte sollten frühzeitig angesprochen und konstruktiv gelöst werden. Mitarbeitende sollten versuchen, Missverständnisse direkt anzugehen und eine offene Kommunikation zu fördern.

Teambuilding

Mitarbeitende können aktiv an Teambuilding-Maßnahmen teilnehmen, um ein positives Arbeitsumfeld zu schaffen. Gemeinsame Aktivitäten können dazu beitragen, Beziehungen zu stärken und Mobbing bzw. Staffing zu verhindern.

Verantwortung übernehmen

Jeder Mitarbeiter trägt Verantwortung für das Arbeitsklima. Das Einhalten von ethischen Grundsätzen und Respekt gegenüber Kollegen und Vorgesetzten trägt dazu bei, eine gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen.

Melden von Mobbing

Mitarbeitende sollten Mechanismen nutzen, um Führungskräfte oder die HR über Staffingvorfälle zu informieren. Unternehmen sollten klare Richtlinien für das Melden von Mobbing etablieren und sicherstellen, dass diese vertraulich behandelt werden.

Weiterbildung

Schulungen zum Thema Kommunikation, Konfliktmanagement und Sensibilisierung für soziale Dynamiken am Arbeitsplatz können dazu beitragen, das Bewusstsein für Mobbing zu schärfen und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden im Umgang damit zu stärken.

Mögliche Versetzung der Führungskraft

Das Thema wird jedenfalls nicht aufgelöst, wenn nur die Führungskraft auf eine andere Position versetzt wird. Denn dann lauern zwei Gefahren.

Zum einen bekommen die Mobbenden die Bestätigung, dass ihr Ziel erreicht wurde und die Gefahr ist groß, dass sie bei jedem zukünftigen Anlass das Schauspiel wiederholen. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass die Führungskraft sich auch auf dem nächsten Posten nicht bewährt.

Eine Versetzung könnte aber im Fall zielführend sein, dass es sich um eine sehr junge Führungskraft handelt, die nicht über ausreichend Erfahrung verfügt.

In einem solchen Fall könnte eine Versetzung der Führungskraft helfen, auf einer anderen Position nicht die gleichen Führungsfehler zu machen. Die Umsetzung muss mit Fingerspitzengefühl und ausreichender Kommunikation angegangen werden, insbesondere um den Mitarbeitern nicht das Gefühl zu geben, mit ihrem Verhalten auch zukünftig durch zu kommen.

Kündigung

Wenn der ungewöhnliche Fall vorliegt, dass – langfristig – tatsächlich nur ein Mitarbeiter mobbt, so ist in erster Linie das Gespräch mit ihm zu suchen und erst im Wiederholungsfall eine Trennung in Aussicht zu stellen.

Fazit

Staffing als Mobbing gegen Führungskräfte beruht häufig auf einer Führungsschwäche der Führungskraft. Eher selten liegt die Ursache ausschließlich in der Persönlichkeit des Staffenden.

Die Lösung des Problems liegt jedenfalls in der raschen Beseitigung der jeweiligen Ursache.

Wie man übrigens als Vorgesetzter mit dem Mobbing umgehen muss, erkläre ich in Mobbing – was tun als Chef?

Quellen:

1) Umfrage StepStone (2019)
2) Studie Deloitte (2019)
3) Bündnis gegen Cybermobbing: Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen (2018)

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