Arbeitswelt 4.0

Staffing

ein Mann bei einem einvernehmlichen Auflösungsgespräch

Staffing zählt zu einer der Arten des Mobbing.

Bedeutung

Während staffing wörtlich übersetzt „Personalbesetzung, Personal einstellend, besetzend“ bedeutet, wird der Begriff bei uns dafür verwendet, um das Mobben einer Führungskraft zu benennen.

Vom Mobbing spricht man, wenn von einer Person Schikanen gegen eine andere Person ausgehen. Dabei wird der Begriff insbesondere verwendet, wenn das Mobben zwischen Mitarbeitern auf gleicher Ebene stattfindet.

Vom Bossing, spricht man, wenn eine Führungskraft einen oder mehrere Mitarbeiter quält.

In diesem Beitrag soll das Staffing als dritte Mobbingvariante behandelt werden. Es bedeutet, dass ein oder mehrere Mitarbeiter die Führungskraft schikanieren.

Voraus geschickt sei in diesem Zusammenhang, dass das Staffing meist von mehreren Mitarbeitern gleichzeitig betrieben wird, weil es andernfalls eher dazu führen würde, dass der jeweilige Mitarbeiter sich selbst ausgrenzt.

Die Schikane durch nur einen Mitarbeiter im Alleingang wäre zudem eher wirkungslos, wenn man davon ausgeht, dass häufige Formen der Schikane darin bestehen, zu verstummen, wenn der Chef den Raum betritt oder ihm wichtige Informationen vorzuenthalten.

Ursachen für Staffing

Vorgesetzte werden meistens deshalb gemobbt, weil Mitarbeiter mit ihrer Arbeitssituation bzw. dem Führungsverhalten der Führungskraft unzufrieden sind.

Die Motive, die Führungskraft zu mobben sind meist Antipathie, Neid oder Frust.

Schwache Führungskräfte sind übrigens der Gefahr des Staffings wesentlich häufiger ausgesetzt als Leader, weil sie ihre Autorität nicht einsetzen können und oft zum Spielball der Mitarbeiter werden.

Die Schuldfrage bei staffing

Staffing setzt voraus, dass die Person, die gemobbt wird, objektiv schwächer ist, als jene die mobbt, anderenfalls der Gemobbte geeignete Mittel anwenden würde, um sich zur Wehr zu setzen. Deshalb ist aus meiner Sicht, der Grund auf den alle Staffingursachen zusammenlaufen die schwache Führung.

In meiner Recherche zum Thema habe ich den Satz gelesen „Zwar ist es meist das Verhalten des Vorgesetzten, das über kurz oder lang zum staffing führt, doch wäre es falsch, die Schuld deshalb dem Chef in die Schuhe zu schieben.“ Ein interessanter Satz, dem ich doch einiges entgegenhalten möchte.

Wenn es nämlich tatsächlich das Verhalten des Vorgesetzten ist, dass das staffing auslöst, dann ist gerade die Schuld beim Vorgesetzten zu suchen, der durch sein Verhalten den Unmut der Mitarbeiter auslöst. Andernfalls bleibt den Mitarbeitern nämlich langfristig keine andere Wahl, als zu kündigen. Wie Studien¹,² darlegen, ist nämlich ganz besonders schwaches Führungsverhalten der Grund dafür, dass oft Schlüsselkräfte Unternehmen verlassen.

Ich stimme der Unzulässigkeit der Schuldzuweisung – wenn sich die Frage überhaupt stellt, weil ich eher Freundin der Lösungs-, denn der Schuldsuche bin – daher nur dort zu, wo das Staffing auf genereller Antipathie oder gar auf Neid fußt, weil die Mobbenden etwa selbst den Job der neuen Führungskraft haben wollten. In Fällen, wo aber die richtige Person zur Führungskraft gemacht wurde, stehen die Chancen, dass die Mobbingaktionen zum Ziel führen, sowieso sehr gering.

Schwache Führung

In meiner Recherche für diese Artikel habe ich gelesen, dass der autoritäre Führungsstil einer der Gründe für staffing wäre. Auch diese Meinung teile ich nicht vorbehaltlos. Ich stimme ihr zu, wenn eine Führungskraft ausschließlich autoritär führt. Allerdings ist meines Erachtens jede Führungskraft, die ausschließlich einen Führungsstil anwendet, in gleichem Maße der Mobbinggefahr ausgesetzt. Denn auch eine Führungskraft, die ausschließlich kooperativ oder demokratisch führt, wird auch schnell Unmut auslösen, wenn sich z.B. ein Teammitglied laufend zu Lasten der anderen Vorteile verschafft und die Führungskraft dieses Verhalten nicht abstellt.

Der autoritäre Stil – wenn er im Sinne der situativen Führung richtig angewandt wird – ist nicht per se schlecht. Die Missinterpretation entsteht, wenn man den Begriff des autoritären Stils inhaltlich falsch definiert, und sich nur vom negativ besetzen Wort „autoritär“ leiten lässt.

Der autoritäre Führungsstil ist einer von mehreren Führungsstilen, die eine Führungskraft im Repertoire haben muss. Und sie muss in der Lage sein, ihn in der entsprechenden Situation einzusetzen. Ich gehe daher sogar noch einen Schritt weiter und vertrete die Ansicht, dass gerade die Führungskraft, die den autoritären Führungsstil nicht drauf hat, in höherem Maße der Mobbinggefahr ausgesetzt ist.

Daher ist viel mehr die schwache Führung – nämlich die Führungsstile nicht anwenden und in unterschiedlichen Situationen benutzen zu können – Grund, warum Mitarbeiter aufbegehren und mobben.

Das staffing geht meines Erachtens in solchen Fällen, wenn auch unbemerkt, übrigens mit hoher Wahrscheinlichkeit von jenem Mitarbeiter aus, der viel eher das Zeug zur Führung hätte.

Schlechte Arbeitsgestaltung

Wenn Mitarbeiter nicht ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden und sich nicht selbst verwirklichen können, weil der erforderliche Freiraum nicht gewährt wird, stellt sich rasch ihre Unzufriedenheit ein. Diesen Frust kommunizieren sie zunehmend, eventuell auch, ohne deutlich anzusprechen, was der Grund dafür ist. Die Folge daraus ist, dass sie kündigen. Wenn sie das nur innerlich und nicht tatsächlich tun, bekommt ihre Umgebung ihren Frust ab.

Vertrauensverlust

Basis einer guten Zusammenarbeit ist natürlich auch im Verhältnis Mitarbeiter zu Führungskraft gegenseitiges Vertrauen.

Wenn diese Basis nicht erzeugt wird oder durch ein Ereignis zerstört ist, kann die Folge staffing sein.

Auftreten von Staffing

Eine Studie³ mit 4.001 Befragten die 2018 einen Ländervergleich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Thema Mobbing aufstellte, kommt zum interessanten Ergebnis, dass  Mobbingangriffe zwar in allen Ländern am seltensten von Untergebenen ausgehen, allerdings in Österreich diese Konstellation gleich doppelt so häufig auftritt wie in Deutschland oder der Schweiz.

2018 betrug das Bossing in Österreich (1.000 Befragte) 45%, Mobbing 72% und Staffing immerhin 12%.

In Deutschland  (2.000 Befragte) betrug Bossing 48%, Mobbing 72% und Staffing 6%. Die Schweiz (1.001 Befragte) kam auf 58% Bossing, 63%Mobbing, 7% Staffing.

Alle auffindbaren Studien kommen übrigens zum Ergebnis, dass Mobbingopfer mehrheitlich weiblich sind und, dass Frauen von beiden Geschlechtern gemobbt werden, Männer jedoch überwiegend von Männern.

Staffing findet in der Regel durch mehrere Personen statt. Dies liegt an der überlegenen Position der Führungskraft gepaart mit dem Umstand, dass sich ein einzeln Staffender lediglich selbst ausgrenzen würde. Um das Staffingziel zu erreichen, sind daher eher mehrere verbündete Kollegen am Werk.

Ziel des staffings

Ziel des staffings ist, Betroffene los zu werden. Sie werden also solange schikaniert, bis sie freiwillig das Handtuch werfen und das Feld räumen.

Staffing Methoden

Kommunikative Ausgrenzung

Betroffene werden meist kommunikativ ausgegrenzt.

Informationen werden vorenthalten, was zwangsläufig dazu führt, dass sie gegenüber dem Management uninformiert dastehen.

Besonders subtil ist, wenn dem Betroffenen nach außen hin eine intakte Beziehung vorgegaukelt wird, welche tatsächlich nicht existiert. Liefern Mitarbeiter ihren Vorgesetzten auch noch bewusst falsche Informationen, auf deren Basis diese Entscheidungen treffen, steigt das Risiko beim Management oder Kollegen gleicher Ebene in Misskredit zu fallen.

Nonverbale Signale, wie abwertende Blicke, Achselzucken, bestimmte Kopfhaltungen und Gesten können verstärkend eingesetzt werden und dienen darüber hinaus als Ausdruck der Geringschätzung und der Verachtung.

Gerüchte streuen

Besonders um Verbündete zu finden, streut der Urheber des staffings häufig bewusst Gerüchte, um das Ansehen der betroffenen Führungskraft sowohl bei Mitarbeitern als auch dem höheren Management in Verruf zu bringen. Dabei wird oftmals versucht, das Privatleben und die Persönlichkeit des Betroffenen tiefgreifend zu verletzen, z.B. indem Affären oder unprofessionelles Führungsverhalten angedeutet werden.

Lösung des Staffing Problems

Um das Problem zu lösen, muss jedenfalls nach der Ursache gesucht werden. Wie oben dargestellt, beruht das Staffing im Regelfall auf einer Führungsschwäche. Wurde es durch Neid oder Antipathie ausgelöst, und gelingt es der Führungskraft sich zu behaupten, wird sich das Thema rasch von selbst erledigen.

Coaching

Beruht das Staffing aber tatsächlich auf einem Unvermögen der Führungskraft, ist zu klären, ob eine Führungskräfteausbildung oder ein -coaching helfen kann.

Mögliche Versetzung

Das Thema wird jedenfalls keinesfalls aufgelöst, wenn nur die Führungskraft auf eine andere Position versetzt wird. Denn dann lauern zwei Gefahren. Zum einen bekommen die Mobbenden die Bestätigung, dass ihr Ziel erreicht wurde und die Gefahr ist groß, dass sie bei jedem zukünftigen Anlass das Schauspiel wiederholen. Zum anderen ist die Gefahr groß, dass die Führungskraft sich auch auf dem nächsten Posten nicht bewährt.

Eine Versetzung könnte aber im Fall zielführend sein, dass es sich um eine sehr junge Führungskraft handelt, die nicht über ausreichend Erfahrung verfügt. In einem solchen Fall könnte eine Versetzung der Führungskraft helfen, auf einer anderen Position nicht die gleichen Führungsfehler zu machen. Die Umsetzung muss mit Fingerspitzengefühl und ausreichender Kommunikation angegangen werden, insbesondere um den Mitarbeitern nicht das Gefühl zu geben, mit ihrem Verhalten auch zukünftig durch zu kommen.

Kündigung

Wenn der ungewöhnliche Fall vorliegt, dass – langfristig – tatsächlich nur ein Mitarbeiter mobbt, so ist in erster Linie das Gespräch zu suchen und erst im Wiederholungsfall eine Trennung in Aussicht zu stellen.

Fazit

Staffing als Mobbing gegen Führungskräfte beruht meist auf einer Führungsschwäche der Führungskraft.

Die Lösung des Problems liegt in der raschen Beseitigung dieses Umstandes.

Wie man übrigens als Vorgesetzter mit dem Mobbing umgehen muss, erkläre ich in Mobbing – was tun als Chef?

Quellen:

1) Umfrage StepStone (2019)

2) Studie Deloitte (2019)

3) Bündnis gegen Cybermobbing: Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen (2018)

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Weitere interessante Beiträge zu den Themen Bewerben, Karriere und Führung finden Sie auch auf meinem YouTube Kanal!

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