Arbeitswelt 4.0Führung

Vor- und Nachteile von Topsharing

zeigt eine Sparringpartnerschaft Situation

Heute habe ich einen Artikel gelesen, worin das “Topsharing“, beworben wurde. Die Autorin versteht darunter das Teilen einer Führungsposition. Ich möchte vorausschicken, dass ich wesentlich größere Praxisprobleme sehe, als dies in der theoretischen Abhandlung vermutet wird.

Definition des Topsharing

Die Wortkreation Topsharing kommt aus dem Zusammensetzen der Worte Top-management und Job-sharing und meint die geteilte Führungsrolle.

Es entstand aus dem ursprünglichen Gedanken des Jobsharings, wobei sich zwei Personen einen Job und das Gehalt teilen. Insbesondere soll das Topsharing die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern.

Sinn von Topsharing

Jobsharing wird als eine der Lösungen beworben, dem anhaltenden Fachkräftemangel auch auf Führungsebene entgegen zu wirken. Führungskräfte sollen sich einen Job teilen, um auch ihnen die Vereinbarkeit von Job und Familie zu ermöglichen. Da die Unzufriedenheit der Mitarbeiter bei beiden Geschlechter diesbezüglich immer stärker steigt, scheint dieses Modell geeignet zu sein, die Bedürfnisse der Betroffenen zu befriedigen.

Vorteile des Topsharings

Die geteilte Führungsrolle bringt jedenfalls den Vorteil, dass Eltern nicht lange in Auszeit gehen und dem Unternehmen daher früher wieder zur Verfügung stehen. Für die Eltern hat das Topsharing den großen Vorteil, dass sie relativ wenig langfristig wirkende Gehaltseinbußen und einen Karriereknick in Kauf nehmen müssen.

Daneben ergeben sich Vorteile hinsichtlich kürzerer Einarbeitungszeit. Wenn ein Mitarbeiter früher aus der Karenz kommt, erspart sich der Arbeitgeber Personalsuch- und Einarbeitungskosten. Es geht insbesondere das Wissen der Teilzeitkraft nicht verloren und bindet sie zudem an das Unternehmen.

Dass sich die Führungskräfte gegenseitig vertreten können und es daher weniger Ausfallzeiten gibt, wird ebenso positiv gewertet.

Der Arbeitgeber wird wahrscheinlich auch an tatsächlichem Einsatz gewinnen. Viele Studien beweisen nämlich, dass Teilzeitkräfte produktiver arbeiten als Vollzeitkräfte.

Das Modell kann auch in Verbindung mit Altersarbeitszeitmodellen sinnvoll sein, da die jüngere Führungskraft von der Erfahrung und vom Know How der älteren profitieren kann.

Nicht zuletzt können sich nach manchen Autoren Vorteile daraus ergeben, dass Ansprechpartner flexibel gewählt werden. Der Mitarbeiter kann sich aussuchen, mit welcher Führungskraft er spricht.

Soweit die Theorie.

Nachteile des Topsharings

In meiner bisherigen Erfahrung habe ich Topsharingkonstellationen dann erlebt, wenn ein Manager gut in seinem Tätigkeitsgebiet war, aber zu wenig Geschick in der Führung seiner Mitarbeiterinnen bewies. Dann wurde ihm ein zweiter Mitarbeiter zu Seite gestellt, um die fehlende Führungskompetenz auszugleichen.

Voraussetzung für ein funktionierendes Topsharing ist, dass beide Führungskräfte einen ähnlichen (guten) Führungsstil haben und sich sehr eng abstimmen. Sie müssen sich gut verstehen und kooperativ Entscheidungen treffen. Was am Papier logisch und einfach klingt, ist in der Praxis meines Erachtens nur schwer umzusetzen.

Die gesteigerte Flexibilität hinsichtlich geteilter Arbeitskraft und möglicher Vertretung sehe ich in der Realität nur dann gegeben, wenn die Teilzeitarbeitszeiten beider Führungskräfte zusammenpassen. Die Idealkonstellation wäre, dass beide Führungskräfte 20 Stunden pro Woche arbeiten, die sich nicht überlappen.

Sobald dieses Gleichgewicht durch eine Erhöhung gestört wird, drohen Probleme. Es sind dann zwei Ansprechpartner vorhanden, die einander eventuell auch in die Quere kommen. Weiters droht bei einer anderen Arbeitsteilung auch erhöhter finanzieller und organisatorischer Aufwand. Neben den sowieso gegebenen höheren Sozialabgaben drohen auch höhere Kosten für sonstige Ressourcen. Zweit Mitarbeiter, die gleichzeitig anwesend sind, benötigen die zweifache Ausstattung.

Dass die Chance größer ist, dass sich Führungskraft und Mitarbeiter besser verstehen, wenn es zwei Führungskräfte gibt, ist in meinen Augen ein sehr fragwürdiger Vorteil. Vielmehr droht bei geteilter Führungsrolle die Gefahr, dass die Mitarbeiter die Führungskräfte gegeneinander ausspielen.

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